Mein erklärendes Verzeichnis nicht allgemeinverständlicher Begriffe zum Fach Deutsch - Buchstabe M

Anna Heynkes, 5.10.2004

Mandat ist ein ursprünglich aus dem römischen Recht stammender Begriff und bedeutete damals, dass ein Mandantar (Untergebener) von einem Mandanten den Auftrag oder die Weisung zur (unentgeltlichen) Erledigung eines Geschäftes erhielt. Ganz ähnlich erteilen heute Klienten ihren Rechtsanwälten Mandate im zivilrechtlichen Sinne, für sie Prozesse zu führen oder Geschäfte abzuwickeln. Dabei bleibt die Entscheidungsbefugnis ganz beim Mandanten. Im weiteren staatsrechtlichen Sinne ist ein Mandat eine Vollmacht zur Ausübung von Kompetenzen, welche dadurch aber im Gegensatz zur Delegation nicht vom Vollmachtgeber auf den Mandatsträger übertragen werden. Einst vergab auch der Völkerbund an Staaten Mandate zur treuhänderischen Verwaltung fremder Länder. Dabei waren die Mandantarstaaten zwar theoretisch an die Weisungen des Völkerbundes gebunden, aber die Menschen in den so fremd verwalteten Gebieten mussten damit nicht einverstanden sein. Im engeren politischen Sinne meint Mandat heute ein durch eine Wahl erteiltes Amt eines Abgeordneten, ein parlamentarisches Mandat. Dabei unterscheidet man das imperative und das freie Mandat. Bei einem imperativen Mandat bliebe der Abgeordnete an die Weisungen derer gebunden, die ihm das Mandat gaben. Das z.B. in Deutschland eigentlich vom Grundgesetz (Artikel 38, Absatz 1, Satz 2) vorgesehene freie Mandat sieht jedes Mitglied des deutschen Bundestages als Repräsentanten des gesamten Volkes und deshalb an keine Weisungen und Aufträge gebunden bzw. nur seinem Gewissen verpflichtet. Abgeordnete sollen vor Druck oder Einfluss von Wählern, Wählergruppen, seiner Partei bzw. seiner Fraktion/Gruppe oder von sonstigen politischen und wirtschaftlichen Gruppen geschützt sein, damit ihre eigenverantwortliche und unabhängige Parlamentstätigkeit nicht beeinträchtigt werde. Andererseits dürfen sich aber Fraktionen und Gruppen um eine möglichst geschlossene Meinungsbildung bemühen, was mit der angeblichen Freiheit der Abgeordneten unvereinbar ist. Diese können zwar in Gewissensfragen gegen den Willen ihrer Fraktion abstimmen, werden dann aber wahrscheinlich von ihrer Partei bei der nächsten Wahl nicht mehr als Kandidaten aufgestellt.

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