Mein erklärendes Verzeichnis nicht allgemeinverständlicher Begriffe zum Fach Deutsch - Buchstabe V

Anna Heynkes, 10.9.2004

Verfassung oder Grundgesetz nennt man die Grundordnung, die in den meisten modernen Staaten mit sogenannten repräsentativen Demokratien einen gewissen Schutz gegen Machtmißbrauch durch Regierungen bietet und über deren Einhaltung Verfassungsgerichte wachen. Die Verfassung begrenzt die Staatsgewalt und sichert die Grundrechte der Bürger, gegen die auch Regierungen nicht verstoßen dürfen. Im Gegensatz zu normalen Gesetzen kann die Verfassung nur von sehr großen Mehrheiten (z.B. 2/3 oder 3/4) geändert werden. Allerdings genügen dafür zumindest in Deutschland große Mehrheiten unter den Abgeordneten der Parlamente, während das Volk gar nicht gefragt wird. Das Hauptproblem des deutschen Grundgesetzes ist aber, daß es niemals durch eine Volksabstimmung legitimiert wurde. Daher handelt es sich gar nicht um eine echte Verfassung, in welcher freie Bürger für sich selbst die Grundregeln ihres friedlichen Zusammenlebens festgelegt haben. Vielmehr wurde das deutsche Grundgesetz auf Befehl der Siegermächte nach dem zweiten Weltkrieg von einer kleinen Gruppe nicht vom Volk dafür bestimmter Bürger (der verfassunggebenden Versammlung bzw. dem Parlamentarischen Rat) formuliert und beschlossen von den Parlamenten der Bundesländer mit Ausnahme Bayerns gebilligt. Auch das deutsche Grundgesetz ist daher das Ergbnis einer repräsentativen Herrschaft, von der damals das Volk bewußt ausgeschlossen wurde. Eine gewisse demokratische Legitimität besitzt das deutsche Grundgesetz nur deshalb, weil es laut Umfragen im Wesentlichen den Grundüberzeugungen der meisten Deutschen entspricht. Es gibt klar und starr formulierte Verfassungen (z.B. in Österreich), die nur durch regelrechte Verfassungsänderungen an neue Erfordernisse angepasst werden können. Unklarer und allgmeiner formulierte Verfassungen (z.B. in Deutschland oder den USA) werden hingegen häufig durch Entscheidungen von Verfassungsgerichten ausgelegt und präzisiert und damit der direkten Kontrolle des Volkes entzogen.

Vokal = Selbstlaut wie "a", "e", "i", "o", "u", "ä", "ö", "ü"

Volk ist laut Brockhaus ein vielschichtiger und unterschiedlich definierter Begriff, der vom althochdeutschen »folc« kommt und ursprünglich »viele« bedeutete. Früher bezeichnete man so z.B. die Mannschaft eines Schiffes oder die Angehörigen eines Heerhaufens. Heute meint man damit manchmal etwas abschätzig die »breite Masse« der »einfachen« Mitglieder einer Gesellschaft. Im wertneutralen politischen Sinne meint man mit einem Volk heute eher eine Ethnie oder eine Gruppe von Menschen, die sich als ideelle Einheit begreift und gemeinsame Werte und Lebensweisen verteidigt. Der Brockhaus sieht im allgemeinen Sprachgebrauch keine klare Abgrenzung zwischen dem Volk im Sinne einer Ethnie und dem Begriff der Nation. Allerdings soll Nation eher politische, Volk hingegen stärker emotionale Aspekte meinen. Aber auch der Begriff Volk ist ein wichtiger politischer Begriff, weil nach Artikel 20 des deutschen Grundgesetzes alle Staatsgewalt vom Volke (dem Staatsvolk) ausgehen soll.

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