Die neue deutsche Rechtschreibung

Anna Heynkes, 9.5.2002 mit einigen Ergänzungen von Roland Heynkes am 1.8.2006

Viel besser als diese inzwischen veraltete Übersicht über den zum Schaden der deutschen Sprache und Millionen Schülern gründlich mißlungenen ersten Versuch einer Rechtschreibreform stellen einige frei im Internet zugängliche Seiten des Wissen/Media-Verlages dar, wie nach den letzten Beschlüssen des Rates für deutsche Rechtschreibung künftig geschrieben werden soll.

Gliederung

1.   Urheberschaft
2.   Laut-Buchstaben-Zuordnungen
  a. Die s-Schreibung
  b. Zusammentreffen dreier Konsonantenbuchstaben
  c. Verdoppelung des Konsonantenbuchstabens nach kurzem Vokal
  d. Umlautschreibung
  e. Weitere Fälle erhöhter Stammschreibung
  f. Fremdwortschreibung
3.   Getrennt- und Zusammenschreibung
4.   Schreibung mit Bindestrich
5.   Groß- und Kleinschreibung
  a. Großschreibung der Anredepronomen in Briefen
  b. Großschreibung von Eigennamen
  c. Ableitungen von Personennamen
  d. Großschreibung von Substantivierungen
6.   Zeichensetzung
  a. Komma vor und/oder und verwandten Konjunktionen
  b. Komma zur Abgrenzug von Infinitiv- und Partizipialgruppen
  c. Komma bei wörtlicher Rede
  d. Worttrennung am Zeilenende
  1. Urheberschaft nach oben

    Diese Erarbeitung der neuen deutschen Rechtschreibung gemäß der am 1. Juli 1996 in Wien unterzeichneten Absichtserklärung beruht auf dem kleinen Rechtschreib-abc des Ministeriums für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, welches seinerseits eine gekürzte Fassung einer Zusammenstellung der Professoren Gerhard Augst und Burkhard Schaeder darstellt. Eine Anpassung des Textes des Ministeriums an die Regeln des World Wide Web war erforderlich, damit man ihn gut lesen und darin navigieren kann. Außerdem habe ich einige Fehler korrigiert und nur die Teile des ursprünglichen Textes übernommen und erweitert, die sich tatsächlich mit den neuen Rechtschreibregeln befassen.

  2. Laut-Buchstaben-Zuordnungen nach oben

    Dieser Bereich der Rechtschreibung regelt, wie die Laute eines gesprochenen Wortes durch Buchstaben bzw. Buchstabenkombinationen wiedergegeben werden. Die Neuerungen in diesem Bereich haben im Wesentlichen das Ziel, die Wirksamkeit des sogenannten Stammprinzips zu erhöhen. Dieses Prinzip besagt, dass Wortstämme auch in unterschiedlichen lautlichen Umgebungen immer gleich geschrieben werden. Wer weiß, dass fahren mit einem h geschrieben wird, kann aus der Schreibung des Wortstammes FAHR ableiten, dass Wörter mit demselben Stamm ebenfalls mit h geschrieben werden: abfahren, erfahren usw.

    1. Die s-Schreibung nach oben

      Die auffälligste Neuregelung in diesem Zusammenhang betrifft den bisherigen Wechsel von ß und ss, wie z.B. Flüsse-Fluß, Nässe-naß, Wasser-wäßrig. Nach der Neuregelung gilt, dass nach kurzem Vokal generell ss zu schreiben ist, also z.B. Fluss-Flüsse, Nässe-nass, Wasser-wässrig. In der Folge dieser Regelung wird die früher "daß" geschriebene Konjunktion jetzt "dass" geschrieben. Nach langem Vokal steht weiterhin ß, also z.B. Fuß-Füße.

    2. Zusammentreffen dreier Konsonantenbuchstaben nach oben

      Bisher galt, dass beim Aufeinandertreffen dreier gleicher Konsonanten, bei denen dem dritten  Konsonanten ein Vokal folgt, nur zwei Konsonantenbuchstaben zu schreiben waren, wie z.B. in  Schiffahrt, Stillegung, im Falle einer Worttrennung am Zeilenende aber: Schiff-fahrt, Still-legung.

      Künftig gilt, dass in solchen Fällen stets drei Konsonantenbuchstaben geschrieben werden, also neben der bisher schon verlangten Schreibung von drei Konsonantenbuchstaben im Falle eines weiteren folgenden Konsonanten (wie in Sauerstoffflasche, Schrotttransport) jetzt auch: Schifffahrt, Stilllegung).

      Alternativ ist auch die Getrenntschreibung erlaubt: Sauerstoff-Flasche, Schrott-Transport

    3. Verdoppelung des Konsonantenbuchstabens nach kurzem Vokal nach oben

      In einigen wenigen Wörtern werden Konsonantenbuchstaben in Angleichung an Flexionsformen desselben Wortes oder an andere Wörter derselben Wortfamilie nach dem Stammprinzip verdoppelt:  Ass (wegen die Asse), Karamell (wegen Karamelle), Messner (wegen Messe), nummerieren (wegen Nummer), Tipp (wegen tippen), Tollpatsch (wegen toll). Entsprechendes gilt bei einigen Wörtern mit tz und ck, z.B. platzieren (wegen Platz), Stuckateur (wegen Stuck).

    4. Umlautschreibung nach oben

      Einige Schreibungen wurden einem schon heute verbreiteten Schreibgebrauch angeglichen: behände, Gämse, Quäntchen, schnäuzen, Stängel, überschwänglich, verbläuen (entsprechend den Schreibungen von Hand, Gams, Quantum, Schnauze, Stange, Überschwang, blau).

    5. Weitere Fälle erhöhter Stammschreibung nach oben

      Nach dem Muster von Wörtern wie grau, blau, schlau ist die Ausnahmeschreibung von rauh aufgehoben und rau zu schreiben. Dem Stammprinzip entsprechend kann neben der auch weiterhin gültigen Schreibung selbständig auch selbstständig geschrieben werden.

    6. Fremdwortschreibung nach oben

      Fremdwörter können in ihrer Schreibung der deutschen Rechtschreibung angepasst werden, z.B. englisch strike - deutsch Streik. Oft geschieht dies dadurch, dass die integrierte Schreibung eine Zeit lang neben der fremden Schreibung besteht. So schrieb man z.B. im 19. Jahrhundert nur Bureau, 1915 Bureau und auch schon Büro, 1940 meistens Büro und manchmal Bureau, während man heute nur noch Büro schreibt.

      Mit der Neuregelung werden einige neue integrierte Schreibungen (meistens als mögliche Nebenform) angeboten. Es wird sich zeigen, ob die Schreibgemeinschaft sie akzeptiert und gebraucht.

      Beispiele:

      • ai/ä: Frigidaire/Frigidär, Necessaire/Nessessär;

      • é/ee: Exposé/Exposee, Varieté/Varietee, Kommuniqué/Kommunikee;

      • -ies/-ys: Pluralformen von Wörtern aus dem Englischen, die auf -y ausgehen, werden in deutschen Texten ausnahmslos nach deutschem Muster geschrieben, z.B. Baby/Babys, Hobby/Hobbys;

      • gh/g: Ghetto/Getto (schon jetzt), Joghurt/Jogurt, Spaghetti/Spagetti;

      • ph/f: Delphin/Delfin (wie darüber hinaus alle Wörter mit den Stämmen phon, phot, graph wahlweise auch fon, fot, graf geschrieben werden können);

      • t/z: Wenn Substantive auf -anz oder -enz enden, werden die entsprechenden Adjektive bevorzugt mit -zi- oder daneben auch mit -ti- geschrieben, z.B.:
        Differenz -differenziell/differentiell,
        Essenz - essenziell/essentiell,
        Potenz - potenziell/potentiell,
        Substanz - substanziell/substantiell
        usw.

      Fachliche Schreibungen sind von der allein für die Standardsprache geltenden Neuregelung ausgenommen.

  3. Getrennt- und Zusammenschreibung nach oben

    Für die Neuregelung dieses Bereichs waren zwei Gesichtspunkte maßgebend:

    1. Da die Getrenntschreibung zweier im Text aufeinander folgender Wörter der Normalfall ist, muss allein der Sonderfall der Zusammenschreibung geregelt werden.

    2. Soweit dies irgend möglich ist, sollen formale Kriterien bei der Entscheidung helfen, ob zwei im Text aufeinander folgende Wörter getrennt oder zusammengeschrieben werden.

    In folgenden Fällen wird zusammengeschrieben:

    1. Wenigstens einer der aufeinander folgenden Bestandteile kommt in dieser Form nicht selbständig vor: wettrennen, blauäugig, schnellstmöglich. In Fällen, in denen der erste Bestandteil zwar nicht selbständig vorkommt, aber bereits eine Zusammensetzung darstellt, wurde der Getrenntschreibung der Vorzug gegeben, z.B. fürlieb nehmen, überhand nehmen.

    2. Der erste Bestandteil stellt eine verkürzte Wortgruppe dar, wie z.B. schlafwandeln (= im Schlaf wandeln), sonnenbaden (= in der Sonne baden), freudestrahlend (= vor Freude strahlend).

    3. Zusammengeschrieben wird des Weiteren, wenn die Getrenntschreibung (über die zuvor genannten Fälle hinaus) eine grammatisch unkorrekte Form ergäbe, wie z.B. man maßregelte ihn (unkorrekt: man Maß regelte ihn), sie wollten heimkehren (unkorrekt: sie wollten Heim kehren), er sprang kopfüber in den Fluss (unkorrekt: er sprang Kopf über in den Fluss).

    4. Der adjektivische Bestandteil ist in einer Fügung aus Adjektiv + Verb in der betreffenden Verbindung weder erweiterbar noch steigerbar (wobei die Negation nicht nicht als Erweiterung gilt): bereitstellen (nicht möglich: bereiter/sehr bereit stellen).

    5. Zusätzliche Einzelfälle: irgend- wird mit dem nachfolgenden Bestandteil stets zusammengeschrieben: irgendein, irgendetwas, irgendjemand, irgendwann usw.; ausgenommen bei Erweiterung des zweiten Bestandteils: irgend so ein.

    6. In bestimmten, klar abgegrenzten Fällen bleibt es dem Schreibenden überlassen, getrennt oder zusammenzuschreiben. Man kann "nicht öffentlich" oder "nichtöffentlich", "an Stelle" oder "anstelle", "auf Grund" oder "aufgrund", "zu Gunsten" oder "zugunsten" bzw. "zu Ungunsten" oder "zuungunsten" schreiben.

    7. Zur Vermeidung von Sinnentstellungen hat der neue Rat für deutsche Rechtschreibung die anfangs obligatorische Auseinanderschreibung in einigen Fällen wieder zurück genommen. Dies gilt für mit übertragenem Sinn gebrauchte Verbindungen zweier Verben, wenn das zweite Verb "bleiben" oder "lassen" heißt. Seltsamerweise hält der Duden weiterhin die Getrenntschreibung für sinnvoller. Dafür wird die Duden-Redaktion vom Vorsitzenden des Rates für deutsche Rechtschreibung Hans Zehetmair scharf kritisiert. Er empfiehlt das Wahrig-Wörterbuch, welches sich strikt an die Empfehlungen des Rates halte. So kann man wieder "Essen warmmachen", "in der Schule sitzenbleiben", "etwas stehenlassen", "einen fahrenlassen" oder "eine alte Frau im Bus sitzen lassen" aber "eine junge Frau sitzenlassen". Künftig darf man auch wieder "fertigmachen" anstatt "fertig machen", "eislaufen" anstatt "Eis laufen", "kopfstehen" anstatt "Kopf stehen" und "leidtun" anstatt "Leid tun" schreiben.

    8. Leider nahm der Rat für deutsche Rechtschreibung nicht jeden Unsinn zurück. Weiterhin soll man schreiben: "Er sah mich "viel versprechend" an.

  4. Schreibung mit Bindestrich nach oben

    Bei der Verwendung des Bindestrichs sind zwei Arten des Gebrauchs zu unterscheiden. Zum einen dient der Bindestrich dazu, graphisch ungleiche Bestandteile miteinander zu verbinden (etwa in x-beliebig, T-Träger, Lungen-Tbc). Bei diesen Fällen sieht die Neuregelung nur eine Änderung vor, nämlich die, dass auch Ziffern mit einem Bindestrich von dem folgenden Wort abgesetzt werden: 3-Tonner, 3/4-Takt, 100-prozentig, 37-jährig, 3-fach.

    Zum anderen dient der Bindestrich als sog. Erläuterungsbindestrich dazu, bei mehrfach zusammengesetzten Wörtern die Bestandteile hervorzuheben und so dem Lesenden das Textverständnis zu erleichtern. Beispiel: Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz. Die Neuregelung zeichnet sich dadurch aus, dass in Zweifelsfällen der Entscheidung des Schreibenden wieder ein größerer Spielraum eingeräumt wird.

  5. Groß- und Kleinschreibung nach oben

    Allgemein lässt sich sagen, dass durch große Anfangsbuchstaben bestimmte grammatische Funktionen gekennzeichnet werden, die das betreffende Wort erfüllt, wie z.B. die Kennzeichnung eines Wortes als Substantiv, als Eigenname, als erstes Wort eines Satzes.

    Besondere Schwierigkeiten bereiten nicht so sehr die genuinen Substantive wie der Löffel, die Gabel, sondern vor allem folgende Fälle:

    1. Großschreibung der Anredepronomen in Briefen nach oben

      Da es ansonsten leicht zu Missverständnissen kommen kann, ist die Großschreibung des Anredepronomens Sie auch weiterhin obligatorisch, etwa in Fällen wie: Sehr geehrte Frau Schmitz, wie Sie schon erfahren haben, ...

      Da vergleichbare Missverständnisse im singularischen Gebrauch nicht auftreten können, soll in diesen Fällen künftig kleingeschrieben werden: Liebe Beate, herzlichen Dank für deinen Brief. Mit dieser Neuregelung entfällt auch das bisher häufig auftretende Problem, wie denn z.B. Anweisungen in Schulbüchern zu schreiben seien.

    2. Großschreibung von Eigennamen nach oben

      Bisher wurden - mit Folgen für die Groß- und Kleinschreibung - die eigentlichen Eigennamen, d.h. Namen für individuell vorkommende Lebewesen, Gegenstände oder Sachverhalte, häufig nicht deutlich genug getrennt von begriffsähnlichen Bezeichnungen. So finden sich in der herkömmlichen Rechtschreibung nebeneinander Fälle wie die schwarze Liste - das Schwarze Brett, der erste April - der Erste Mai, die erste Geige (spielen) - die Erste Hilfe.

      Großschreibung soll nach wie vor in folgenden Fällen gelten:

      • Titel (z.B. Regierender Bürgermeister);

      • Tier- und Pflanzenarten (z.B. Roter Milan, Schwarzer Holunder);

      • besondere Kalendertage (wie z.B. Heiliger Abend, Weißer Sonntag);

      • historische Ereignisse (wie z.B. der Westfälische Friede, die Französische Revolution).

      In den bisher unterschiedlich geregelten Fällen fester Fügungen wird der adjektivische Bestandteil demnächst durchgehend kleingeschrieben, also z.B. schwarzes Brett, italienischer Salat, blauer Brief, es sei denn, es liegt ein Eigenname vor, d.h. ein Name für ein Individuum (im weiten Sinne des Wortes), wie z.B. Stiller Ozean, Schwarzes Meer.

    3. Ableitungen von Personennamen nach oben

      Die kaum handhabbare Sonderregel, dass Ableitungen von Personennamen unter besonderen Bedingungen groß-, ansonsten aber kleinzuschreiben sind, wurde aufgegeben; künftig ist bei adjektivischem Gebrauch stets kleinzuschreiben, also das ohmsche Gesetz, der ohmsche Widerstand, platonische Schriften, platonische Liebe; bei Setzen eines Apostrophs zur Betonung des Namens ist der Namenteil aber großzuschreiben: das Ohm'sche Gesetz.

    4. Großschreibung von Substantivierungen nach oben

      In der Folge der im Deutschen zu Beginn der Neuzeit eingeführten Großschreibung der Substantive wurden mit der Zeit auch die Wörter anderer Wortarten großgeschrieben, wenn sie wie Substantive gebraucht werden, also das Lesen, beim Schreiben, alles Gute, nichts Besonderes.

      Von derartigen Fällen waren bisher solche zu unterscheiden, die als sog. Scheinsubstantivierungen oder als übertragener Gebrauch galten und daher kleinzuschreiben waren, wie z.B. aufs neue ('wiederum'), aufs äußerste ('sehr'), des weiteren ('weiterhin'), im allgemeinen ('gewöhnlich'), im dunkeln tappen ('nicht Bescheid wissen').

      Besonders in diesem Bereich möchte die Neuregelung (mit der Folge vermehrter Großschreibung) zu mehr Klarheit führen. Die ansonsten zur Identifizierung eines substantivischen Gebrauchs maßgeblichen Kriterien (vorhandener Artikel und Flexionsmerkmale) gelten nunmehr auch für weitere Fallgruppen:

      • Tageszeitangaben nach den Adverbien vorgestern, gestern, heute, morgen, übermorgen werden künftig großgeschrieben, z.B. heute Morgen, gestern Abend.

      • Substantivierte Adjektive in festen Wendungen werden in Zukunft nur noch großgeschrieben, wie z.B. das Weite suchen, zum Guten wenden, zum Besten geben, auf dem Trockenen sitzen, im Dunkeln tappen, nicht im Geringsten.

      • Generelle Großschreibung gilt auch für adverbiale Wendungen mit Artikel: um ein Beträchtliches, des Langen und Breiten, des Öfteren, des Näheren; und auch mit verschmolzenem Artikel: im Allgemeinen, im Folgenden, im Verborgenen. Hingegen bleibt die Kleinschreibung wegen des fehlenden Artikels erhalten zum Beispiel bei: von weitem, vor kurzem, ohne weiteres, von nah und fern, von klein auf.

      • Substantive werden auch in festen Fügungen nächstens großgeschrieben, also z.B. außer Acht lassen, in Acht nehmen, mit Bezug (auf), in Bezug (auf), Rad fahren, Recht sprechen, Recht haben.

      Der Rat für deutsche Rechtschreibung kehrt bei einigen stehenden Begriffen wieder zur alten Rechtschreibung zurück. Der Schiedsrichter zeigt wieder die "Rote Karte", wenn Spieler jenseits von "Gut und Böse" spielen. Man sitzt auch wieder am "Runden Tisch". Großschreibung soll nur bei substantivistischem Gebrauch des Wortes gelten: Etwas sein "Eigen" nennen, aber sich etwas zu "eigen" machen.

    5. Reform der Reform nach oben

      Einige besonders unsinnige Fälle von Auseinanderschreibung hat der Rat für deutsche Rechtschreibung zurück genommen. So heißt es künftig nicht mehr "Pleite gehen" und "sauber machen", sondern wie vor der Reform "pleitegehen" und "saubermachen". Die Dudenredaktion bevorzugt weiterhin den sprachlichen Unsinn.

  6. Zeichensetzung nach oben

    Die Veränderungen betreffen insbesondere die Kommasetzung, die vor allem in drei Teilbereichen Schwierigkeiten bereitet:

    1. Komma vor und/oder und verwandten Konjunktionen nach oben

      Vor und/oder war im Falle von Aufzählungen nach den bisher geltenden Regeln nur bei der Aufeinanderfolge von vollständigen Hauptsätzen ein Komma zu setzen. Bei dieser Sonderregel gab es wiederum eine Reihe von Ausnahmen. Künftig können die Schreibenden frei entscheiden, ob sie in solchen Fällen ein Komma setzen möchten (etwa um die Konstruktion durchsichtiger zu machen) oder nicht.

    2. Beispiel:
      - Die Musik wird leiser (,) und der Vorhang hebt sich.
    3. Komma zur Abgrenzung von Infinitiv- und Partizipialgruppen nach oben

      Freigestellt wird zweitens die Kommasetzung bei Infinitiv- und Partizipialgruppen, wodurch sich die bisher notwendige Entscheidung erübrigt, ob es sich im fraglichen Fall um eine erweiterte (und daher durch Komma abzugrenzende) oder um eine nicht erweiterte (und daher nicht durch Komma abzugrenzende) Infinitiv- oder Partizipialgruppe handelt:

      Sie hatten geplant(,) ins Kino zu gehen. - Durch eine Tasse Kaffee gestärkt(,) setzten sie die Arbeit fort.

      Bei Infinitivgruppen muss ein Komma nur gesetzt werden, wenn diese mit als, anstatt, außer, ohne oder um eingeleitet wird.

      Beispiel:
      - Sie öffnete das Fenster, um frische Luft hereinzulassen.

      Mit der Freigabe des Kommas entfallen in diesem Teilbereich mehrere bisher geltende Ausnahmeregeln.

    4. Komma bei wörtlicher Rede nach oben

      Bei wörtlicher Rede galt bisher die Regel, dass nach Frage- und Ausrufezeichen kein zusätzliches Komma steht. Die Neuregelung sieht vor, dass künftig auch hier ein Komma zu setzen ist:

      • "Ich komme morgen", sagte sie.

      • "Kommst du morgen?", fragte sie.

      • "Komm bitte morgen!", bat sie.

  7. Worttrennung am Zeilenende nach oben

    Die Neuregelung stärkt das Prinzip einer Trennung nach Sprechsilben:

    Scharf kritisiert von der Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS) unterließ es der Rat für deutsche Rechtschreibung, unsinnige neue Trennregeln zurück zu nehmen. So soll man Frustration folgendermaßen trennen: "Frust-ration". Lächerlich! Wenigstens trennt man künftig wieder "Ur-instinkt" und nicht "Urin-stinkt" oder "Staats-examen" und nicht "Staat-sexamen" oder "Staatsex-amen".

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