NR ZCYS

AU Hirsch,H.; Euler,K.H.; Schneider,M.

TI Über die Erholung und Wiederbelebung des Gehirns nach Ischämie bei Normothermie

QU Pflügers Archiv 1957; 265: 281-313

PT journal article

AB Komplette perakute Hirnischämien von 1-10 min Dauer wurden am völlig isolierten, von einem Spender durchströmten Katzenkopf geetzt. Als Kriterium der Funktion diente die Ableitung des Elektrocorticogramms und der Aktionspotentiale der Area striata bei Flickerbelichtung. Die Überlebenszeit des Spontanpotentials der Hirnrinde beträgt bei 37 Grad C etwa 20 sec, die der optischen Aktionspotentiale auf Lichtreiz 3 min. Die Erholungslatenz, d.h. die Zeit zwischen Ende der Ischämie und erstem Wiederauftreten der Potentiale beträgt nach einer kompletten Ischämie von 1 min bei den Spontanpotentialen etwa 30 sec. Die Erholungslatenz der Spontanpotentiale steigt mit zunehmender Ischämiedauer zunächst flacher, dann steiler an, beträgt nach einer Ischämie von 10 min für die Spontanpotentiale zwischen 35 und 120 min und steigt in diesem Bereich so steil an, dass sie schon bei geringer weiterer Zunahme der Ischämiedauer unendlich wird, d.h. dass eine Erholung überhaupt nicht mehr eintritt. Die Erholungszeit, d.h. die Zeit bis zur völligen Normalisierung der geprüften Funktion, ist nach einer Ischämiedauer von 1 min für die Spontanpotentiale 30mal länger als die Erholungslatenz. Bei längerer Ischämiedauer ist dies Verhältnis wegen methodischer Schwierigkeiten noch nicht zu bestimmen. Gleich lange Erholunslatenzen ergeben mit der Manschettenmethode beim Kaninchen gesetzte Hirnischämien. Werden die Tiere während der Ischämie nicht beatmet, so kommt nach Ischämiedauern von länger als 5 min keine Erholung mehr zustande. Bei künstlicher Beatmung während der Ischämiedauer bis zu maximal 10 min werden Erholungslatenzen der hirnelektrischen Spontanpotentiale gemessn, die den am isolierten, völlig vom Rumpf getrennten Katzenkopf ermittelten entsprechen. Auf Grund der Befunde über die Länge der Wiederbelebungszeit wird fetgestellt, dass die Wiederbelebungszeit des Gehirns länger ist als die des Gesamtorganismus. Sie beträgt in unseren Versuchen für die geprüften Funktionen bei 37 Grad C bis zu fast 10 min und ist etwa doppelt so lang als die Wiederbelebungszeit des Gehirns bei zusätzlicher Asphyxie durch Trachealverschluss. Die Asphyxie führt am Herz zu einer Insuffizienz, die sich in der Erholung bemerkbar macht. Die Herzinsuffizienz ist demnach der limitierende Faktor für die Wiederbelebungszeit des Organismus und nicht die Wiederbelebungszeit des Gehirns. Eine kritische Druchsicht der Angaben der Literatur ergibt, dass durch Verringerung der Herzasphyxie während der Ischämie und durch Kreislaufunterstützung nach der Ischämie die Weiderbelebungszeit des Gesamtorganismus nach Kreislaufstillstand verlängert wird und sich so der reinen Wiederbelebungszeit des Gehirns annähern kann. An Hand der Ergebnisse und tabellarischer Zusammenstellungen der Zeitangaben in der Literatur werden die Faktoren analysiert, die zu den großen Schwankungen und Widersprüchen in den Literaturangaben geführt haben. Als diese Faktoren werden festgestellt: 1. Nicht ausreichende Höhe von Blutdruck und damit Gehirndurchblutung in der Erholungsphase, meist durch Herzinsuffizienz. 2. Nicht komplette Ischämie bei Bestehenbleiben eines Restkreislaufs, besonders häufig durch Nichtberücksichtigung der A. spinalis. 3. Erniedrigung der Gehirntemperatur während der Ischämie. Es wird darauf hingewiesen, dass in unseren Versuchen vermutlich eine nicht ganz komplette Wiederbelebung vorliegt, da nach den Angaben der Literatur die histologische Nachweisbarkeit einzelner Zellausfälle wahrscheinlich ist. Die Zeit der Ischämie, nach der noch eine komplette Wiederbelebung erreichbar ist, wird deshalb kürzer sein.

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