NR ADLC
AU Diringer,H.
TI [Risks of unconventional viruses for man. Results of modern technology]
OT Risiken unkonventioneller Viren für den Menschen. Auswirkungen moderner Technologie.
QU Fortschritte der Medizin 1991 Aug 10; 109(23): 460-1
PT journal article
IN Ohne seine Ausführungen auch nur durch ein einziges Zitat zu belegen, faßt der Autor einige Beobachtungen und unbewiesene Mutmaßungen unterschiedslos zusammen. Er stellt die plausible aber nicht wirklich bewiesene These von der Übertragung des Scrapieerregers von kranken Schafen auf Rinder durch Tiermehl als Tatsache dar. Er rechnet vor, dass jedes hundertste englische Rind mit BSE infiziert sein könnte, da zur Zeit jedes tausendste daran verendet. Leider erklärt er nicht, worauf er den Anteil der BSE-Todesfälle bezieht. Sind es die noch lebenden Tiere, dann vergleicht er Äpfel mit Birnen. Vergleicht er aber die Zahl der an BSE gestorbenen Rinder mit der Zahl aller aus anderen Gründen gestorbener Tiere, dann übersieht er, dass die Schlachtung der BSE-Erkrankung nur zuvor gekommen sein kann. Seine Rechnung ist daher nicht nachvollziehbar und wahrscheinlich auch unsauber. Diringer führt aus, dass Scrapie die einzige bisher bekannte spongiforme Encephalopathie natürlichen Ursprunges bei Tieren sei und behauptet, dass der Erreger wenig charakterisert und von der Größe eines Virus sei. Prusiner und andere halten jedoch das sehr genau erforschte Prionprotein für den Erreger und dieses ist eindeutig wesentlich kleiner als jedes Virus. Der Autor berichtet, dass Scrapie durch Tiermehlfütterung auch auf Schafe, Nerze, Antilopen und vermutlich Hirsche übertragen wurde. Er hält einen Zusammenhang zwischen den Krankheitserregern der Tiere und denen der sehr ähnlichen menschlichen Krankheiten Kuru und der Creuzfeldt-Jakob-Krankheit für wahrscheinlich. Diringer belegt die scheinbar sehr geringe Gefährlichkeit des Scrapie-Erregers für den Menschen mit der extremen Seltenheit der entsprechenden menschlichen Krankheitsformen. Ein höheres Gefährdungspotential des BSE-Erregers für den Menschen will er aber nicht ausschließen, da sich die Eigenschaften von Viren bei Wirtswechseln erfahrungsgemäß verändern können. Als Risiken werden das Fehlen einer Nachweismethode für den Erreger in Nahrungsmitteln, Arzneien oder Blutkonserven, die besonders lange Inkubationszeit, die Fähigkeit der Erreger zur Überwindung von Speziesbarrieren sowie die Übertragungsmöglichkeit über medizinische Eingriffe und die Nahrung erwähnt. Der Autor hält die Aufnahme des Erregers mit der Nahrung für die Hauptursache der Verbreitung von Scrapie unter natürlichen Bedingungen. Ohne Quellenangabe zitiert er aus einer kleinen Zahl von Publikationen, dass für eine Infektion über die Nahrung 10.000-100.000fach mehr infektiöses Material als bei intravenösen Injektionen erforderlich sei. Die Krankheit soll dennoch durch den Verzehr großer Mengen wenig infektiösen Materials übertragen werden können. Zur Minimierung der Ansteckungsgefahr rät er den Verbrauchern zur Reduktion des Fleischkonsums, zur Auswahl wahrscheinlich nicht infizierten Fleisches von möglichst jungen Tieren, zur Vermeidung der besonders erregerhaltigen Gehirne und Innereien und zum Verzicht auf rohes Fleisch. Wohl etwas naiv hält er die Gefahr durch infektiöse Arzneimittel wegen größerer Kontrollmöglichkeiten für geringer. Nach der Infektion scheint der Erreger über das Blut in verschiedene Organe wie Milz und Leber zu gelangen und sich dort in einkernigen Phagozyten zu vermehren. Bis zur klinischen Phase enthält dann das Blut relativ geringe Mengen des Erregers, das heißt in der Größenordnung von 10.000 tödlichen Einheiten pro Liter Blut. Der Erreger soll erst nach Jahren bis Jahrzehnten ins Gehirn gelangen und sich dort sehr stark vermehren. Erst später soll der Erreger, den Diringer ohne jeden Beweis und ohne einen Hinweis auf die Umstrittenheit seiner Ansicht einfach als Virus bezeichnet, die Aggregation eines Glykoproteins auf den Nervenoberflächen zu unlöslichen Fibrillen und damit den Tod der Nervenzellen bewirken.
MH Animal; Cattle; Creutzfeldt-Jakob Syndrome/*epidemiology/transmission; Disease Reservoirs; Encephalopathy, Bovine Spongiform/*epidemiology/transmission; Human; *Technology
AD Robert-Koch-Institut, Berlin.
SP deutsch
PO Deutschland
OR Prion-Krankheiten D