NR APTA

AU Diringer,H.

TI Durchbrechen von Speziesbarrieren mit unkonventionellen Viren

QU Bundesgesundheitsblatt 1990; 10: 435-440

IN Es wird eine Literaturübersicht über Berichte und Experimente, die sich mit der Übertragung unkonventioneller Viren zwischen verschiedenen Tierarten befassen, gegeben und der Versuch unternommen, aus diesen Arbeiten quantitative Aussagen abzuleiten.
Nach einer Tabelle des Autors wurden spongiforme Enzephalopathien durch den Verzehr kranker Individuen vom Schaf auf Schaf, Ziege, Rind, Antilope, Rehwild, Hirsch und Nerz, vom Rind auf Maus und Nerz, vom Hamster auf Hamster und Affe, von Mensch zu Mensch, von Affe zu Affe, von Nerz zu Nerz, von Maus zu Maus, von Ziege auf Ziege übertragen.
Durch intrazerebrale Injektion von Gehirnmaterial ließ sich die Krankheit vom Schaf auf Affe und Maus, von der Ziege auf Schaf, Rind, Affe und Maus, vom Menschen auf 9 verschiedene Affenarten, Ziege, Maus, Ratte, Hamster, Meerschwein, Nerz, Frettchen, Katze und Mungo, vom Affen auf Schaf, Ziege, Maus, Ratte, Nerz und Frettchen, vom Nerz auf Schaf, Ziege, Rind, Hamster, Affe, Stinktier und Waschbär, von der Maus auf Ratte, Ziege, Schaf, Hamster und Affe, von der Ratte auf Hamster, Maus und Gerbril, vom Meerschwein auf Maus und Hamster, von der Katze auf Ziege und Affe, vom Hamster auf die Maus und von Rehwild auf Frettchen übertragen.
Einige der immer ungewollt erfolgten oralen Infektionen - bei Menschen das Beispiel Kuru (28), bei Tieren die Übertragung von Scrapie Schafen auf Nerze [ANZL,AQFF], Rinder [AMNG] und Antiolpen [ASYI,AEBJ,APCW] - sind dabei besser epidemiologisch abgesichert als andere hier als "oral" aufgeführte Transmissionen - wie die Übertragung von Scrapie auf Hisch [ARXX] und angeblich auch auf Reharten [AVJP] - bei denen man nur eine gemeinsame Haltung mit Schafen in Gehegen nachweisen konnte.
"Hochinfektiös sind nur Gehirn und Lymphgewebe" (58). Sie kommen für eine Infektion unter natürlichen Bedingungen wohl nicht in Betracht. Daher sind Übertragungen über Bindehaut oder Verletzungen in der Natur unwahrscheinlich. Allein aus diesen Überlegungen muß man der Infektion auf dem oralen Weg hohe Bedeutung beimessen.
Als Beispiel für die limitierte Aussage des Testes unter Standardbedingungen sei die Suche nach Erreger im Blut angeführt. Dieses wird oftmals als "erregerfrei" beschrieben. Macht man sich jedoch Techniken zunutze, die den Erreger aus größeren Blutmengen konzentrieren (biochemische Anreicherung oder Isolieren der virustragenden Leukozyten), bevor man einen Test durchführt, findet man Infektiosität. Es steht heute außer Zweifel, dass unkonventionelle Viren mit einer Konzentration von 10 hoch 3 bis 10 hoch 4 LD i.c. pro Liter im Blut nachweisbar sind, und zwar von der Zeit kurz nach der Infektion bis hinein in die klinische Phase der Erkrankung [ACHI].
(Anmerkung !! Gefahr der Verseuchung des angeblich erregerfreien Muskelfleisches!!)
Bei oraler Infektion reichen 0,02 -10 g Gehirn aus, um innerhalb einer Tierart die Krankheit mit hoher Inzidenz zu übertragen. Für die Übertragung zwischen den Spezies reichen 6-130 g Gewebe aus, um die Krankheit oral zu übertragen.
Da wir zusätzlich durch die Technik eingeschränkt sind, Erregermengen unter 10 hoch 4 LD/kg Nahrungsmittel überhaupt zu erfassen, ist es aus virologischer Sicht nicht vertretbar, dass diese Erreger in immer mehr Tierspezies eingeschleust werden, die uns als Nahrungsquelle dienen, zumal solches nach heutigem Stand des virologischen Wissens und der technischen Möglichkeiten in keiner Weise erforderlich ist.

AD Robert Koch-Institut des Bundesgesundheitsamtes, Berlin, West Germany

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