LifeTeachUs-Stunde Ökologische Nachhaltigkeit

Roland Heynkes 11.3.2026, CC BY-SA-4.0 DE

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Gliederung

Energiefluss und Stoffkreisläufe
Wer erntet, muss auch düngen.
Bodenverdichtung ist nicht nachhaltig.
Terra preta macht Böden fruchtbar und stabilisiert das Klima.
Wir brauchen Agroforstwirtschaft.
Ökologische Schädlingsbekämpfung muss Pestizide ersetzen.
Wir brauchen auch einen nachhaltigen Umgang mit dem Regenwasser.
Auch der Antibiotika-Missbrauch in der Massentierhaltung ist nicht nachhaltig.
Industrielle Landwirtschaft ist hauptverantwortlich für den Verlust von Arten und Biotopen.
Für Interessierte habe ich fertige Hypertexte.

Energiefluss und Stoffkreisläufe nach oben

Um leben zu können, brauchen alle Lebewesen Energie und Baustoffe.

Die Energie gewinnen sie durch Energieflüsse von nachhaltigen Quellen wie Sonnenlicht und energiereichen Stoffen über mehrfache Energieumwandlungs-Prozesse wie die Fotosynthese und den Energiestoffwechsel hin zu nicht mehr nutzbarer Wärmeenergie.

Auch bei den Baustoffen gibt es Stoff-Flüsse wie den Saharastaub, der über den Atlantik hinweg den Amazonas-Regenwald sowie über Mittelmeer und Alpen hinweg unsere Wälder und Äcker düngt.

Solche Stoff-Flüsse reichen aber bei weitem nicht aus, auf unseren Feldern und Wiesen die Stoff-Verluste auszugleichen, wenn Menschen immer wieder Heu und Feldfrüchte ernten. Darum müssen Bauern ihre Felder und Wiesen düngen.

Wer erntet, muss auch düngen. nach oben

Leider haben die meisten Waldbesitzer noch nicht verstanden, dass sie mit ihren Wirtschaftswäldern nichts anderes tun als die Bauern. Denn seit Jahrhunderten verkaufen Waldbesitzer das Holz ihrer Bäume und mit den Bäumen verlassen die Baustoffe den Wald. Nachhaltig wäre unsere Forstwirtschaft also nur, wenn unseren Waldböden die ihnen beim Wachstum der Bäume entzogenen Pflanzennährstoffe durch Düngung zurück gegeben würden. Das wäre zwar kein echter Stoffkreislauf wie in einem natürlichen Wald, in welchem die Bäume irgendwann absterben, verrotten und ihre Nährstoffe indirekt über die Destruenten an den Waldboden zurück geben. Aber nur durch künstliche Düngung kann in Wirtschaftswäldern die Störung der Nährstoff-Kreisläufe ausgeglichen werden.

Wir brauchen aber in Forst- und Landwirtschaft dringend eine nachhaltige Düngung. Denn aufgrund falscher Düngung und Bodenbearbeitung nimmt auf unseren Äckern die Bodenfruchtbarkeit kontinuierlich ab.

Warum das so ist, zeigt ein Vergleich von Waldboden mit konventionell bearbeiteten Feld-Böden. Denn Böden natürlicher Wälder (nicht Fichtenforste) sind locker und weich, weil sie viel Laub, Kot und anderes Organisches Material enthalten. Dieses Organische Material wird im gut belüfteten Waldboden von unzähligen Bodenlebewesen zu fruchtbarem Humus zersetzt. Das ist auch nötig, weil die organischen Anteile im Humus durch Bodenlebewesen langsam zu CO2 und Wasser abgebaut werden.

Im Gegensatz dazu sind die meisten Feld-Böden hell, dicht und hart, sofern sie nicht bereits nur noch aus lockerem Sand bestehen. Sie enthalten kaum noch Bodenlebewesen und Humus und können viel weniger Regenwasser aufnehmen als die lockeren Waldböden. Weil die Äcker im Gegensatz zu Waldboden oft weder durch Bewuchs noch durch Hecken vor Wind, Sonne und Regen geschützt sind, verlieren sie Humus zusätzlich durch Erosion. Und wenn der Acker mit Gülle oder Kunstdünger gedüngt wird, dann wird dem Boden zu wenig bzw. gar kein festes Organisches Material zugeführt. Das wäre aber erforderlich, um den Boden aufzulockern, Bodenlebewesen zu ernähren, Wasser zu speichern und Humus zu bilden. Deshalb ist das Düngen mit Gülle und Kunstdünger nicht nachhaltig und macht den Boden immer unfruchtbarer.

Bodenverdichtung ist nicht nachhaltig. nach oben

Hinzu kommt das Problem der Bodenverdichtung durch zu viel zu schwere landwirtschaftliche Maschinen und Harvester in Wirtschaftswäldern. Oft fahren Dienstleister während der Ernte sogar mit Lastwagen auf den Feldern herum, aber auch die Traktoren wurden in den letzten Jahrzehnten immer schwerer. Sie quetschen die Luft aus dem Boden und verdichten ihn bis in so große Tiefen, dass selbst die größten Pflüge die Verdichtung in der Tiefe nicht lösen können. Im Gegenteil schadet auch das Pflügen der Bodenfruchtbarkeit, weil es die Bodenlebewesen in für sie ungeeignete Bodenschichten bringt.

Für eine nachhaltige Bodenbearbeitung brauchen wir in Zukunft statt schwerer Traktoren Schwärme kleiner, leichter Drohnen, die über die Felder fahren oder laufen. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz und Vernetzung können sie an vielen Stellen Pflanzennährstoff-Konzentrationen messen und gezielt düngen, "Unkrauter" "ohne Chemie" bekämpfen und Schädlingsbefall erkennen.

Terra preta macht Böden fruchtbar und stabilisiert das Klima. nach oben

Für eine nachhaltige Düngung brauchen wir möglichst schadstofffreien Kompost und Terra preta, die Bauern aus Holzkohle, Kompost und festen Mineralstoff-Depots wie kleinen Tonscherben oder Blähton selber herstellen können. Denn Terra preta speichert in den Hohlräumen der extrem porösen Holzkohle Wasser und Nährstoffe und wirkt nebenbei dem Klimawandel entgegen, indem es den von den Pflanzen aus der Luft als CO2 aufgenommenen Kohlenstoff für Jahrtausende im Boden hält, weil Holzkohle nicht abgebaut wird. Das dafür benötigte Holz sollten Bauern mit Agroforstwirtschaft gewinnen. Zusätzlich schützen Baumreihen auf Feldern und Wiesen vor Erosion und liefern Laub für einen lockeren Boden mit Futter für die Bodenlebewesen.

Wir brauchen Agroforstwirtschaft. nach oben

Agroforstwirtschaft schützt nicht nur vor Erosion und liefert nicht nur Holz für die Produktion von Holzkohle, sondern Bäume und Hecken sind auch Lebensraum für Vögel, kleine Säugetiere und Insekten, die auf natürliche Weise die sogenannten Schädlinge fressen, die sonst unsere Ernten bedrohen.

Ökologische Schädlingsbekämpfung muss Pestizide ersetzen. nach oben

Nicht nachhaltig ist nämlich auch die konventionelle Schädlingsbekämpfung mit Pestiziden. Denn erstens vergiften Pestizide auch den Boden, die Nützlinge und die Konsumenten. Und zweitens werden immer mehr Schädlinge resistent gegen Pestizide, sodass man immer mehr und immer giftigere Pestizide braucht. Dabei gab es schon lange vor den ersten Pestiziden die biologische Schädlingsbekämpfung und heute kann man für jeden Schädling eine Schlupfwespen-Spezies, einen Fadenwurm, ein Bakterium oder ein Virus finden und gezielt für eine biologische Schädlingsbekämpfung einsetzen.

Wir brauchen auch einen nachhaltigen Umgang mit dem Regenwasser. nach oben

Unsere vom wechselhaften westeuropäischen Klima verwöhnten Bauern klagen schon nach wenigen Wochen ohne Regen über Dürre und Ernteverlust, während naturnahe Wälder damit kein Problem haben. Anstatt Regenwasser auf den Feldern zu halten und ins Grundwasser sickern zu lassen, haben Bauern zu lange ihre Felder entwässert, um sie mit Traktoren befahren zu können. Ackerfurchen leiteten das Wasser in Abwassergräben, die man an den Feldrändern anlegte. Die Gräben sollten das Regenwasser in Bäche oder in die Kanalisation leiten. Bei Starkregen schwämmen sie soviel fruchtbaren Boden in die Flüsse, dass deren Wasser braun ist.

Eine nachhaltige Landwirtschaft muss die Ackerfurchen so ausrichten, dass sie das Regenwasser am Abfließen hindern. Und anstatt das Wasser durch die Gräben abfließen zu lassen, muss man es in große Auffangbecken oder in Feuchtbiotope leiten, aus denen es teilweise ins Grundwasser versickern kann.

Zusätzlich brauchen die Böden mehr Humus und Terra preta, damit der Boden mehr Wasser aufnehmen und speichern kann. Und Agroforstwirtschaft sorgt durch Baum-Wurzeln für eine Auflockerung verdichteter Böden, weniger Verdunstung durch Sonne und Wind, sowie für ein feuchteres Mikroklima durch die Verdunstung aus den Spaltöffnungen der Blätter.

Auch der Antibiotika-Missbrauch in der Massentierhaltung ist nicht nachhaltig. nach oben

Wenn extrem viele Tiere der selben Spezies auf engem Raum gemästet werden, dann können sich Krankheitserreger rasend schnell ausbreiten. Gegen bakterielle Krankheitserreger werden deshalb und als Mastbeschleunigung in der Massentierhaltung weit mehr Antibiotika eingesetzt als in der Humanmedizin. Deshalb entstehen in der Massentierhaltung gegen Antibiotika resistente Bakterien-Stämme und bedrohen das Leben von Menschen. Vor Pilzen schützt man Kulturpflanzen mit Medikamenten, die dringend für die Behandlung menschlicher Patienten gebraucht werden. Auch durch diese nicht nachhaltige Praxis wurden schon resistente Krankheitserreger gezüchtet, die Menschen getötet haben.

Wenn wir in Zukunft keine noch viel schlimmeren Pandemien als die Corona-Pandemie erleben wollen, dann brauchen wir mehr Menschen, die Humanmedizin und die Ökologie der Land- und Forstwirtschaft zusammen denken können. Um mehr Nachhaltigkeit und Sicherheit zu gewinnen, brauchen wir nicht nur bei Bauern und Förstern mehr Wissen und die Bereitschaft, ihr Wirtschaften nicht nur am kurzfristigen Profit auszurichten. Auch der Handel und die Konsumenten müssen bereiter werden, wieder mehr für gesund, tiergerecht und ökologisch nachhaltig produzierte Nahrungsmittel zu zahlen.

Industrielle Landwirtschaft ist hauptverantwortlich für den Verlust von Arten und Biotopen. nach oben

Industrielle Landwirtschaft vernichtet durch Pflügen, Bodenverdichtung sowie falsche und Überdüngung Bodenlebewesen. Monokulturen in Land- und Forstwirtschaft laden Schädlinge zur Massenvermehrung geradezu ein, während sie den meisten anderen Insekten die Lebensgrundlage entziehen. Weil dann die Schädlinge mit Pestiziden bekämpft werden, finden Vögel, Fledermäuse und andere Insektenfresser keine Nahrung mehr und können keinen Nachwuchs aufziehen. Außerdem werden Land- und Forstwirtschaft oft auf Flächen betrieben, die früher artenreiche Moore oder Heiden waren.

Abgesehen von der Tristesse artenarmer, naturferner Landschaften ist eine möglichst große Artenvielfalt entscheidend für die Stabilität eines Ökosystems. Was uns das angeht, sieht man, wenn die Steuerzahler für die Abholzung und Wiederaufforstung der von Borkenkäfern befallenen Wirtschaftswälder zahlen sollen, obwohl deren Besitzer das Problem selbst verschuldet haben. Und wenn die Ernten unfähiger Bauern schlecht ausfallen, steigen für die Konsumenten die Preise. Diese nicht nachhaltige Landwirtschaft ist auch direkt gefährlich für Menschen. Auf der Autobahn A19 nahe Rostock führte ein von einem ungeschützten Feld aufgewirbelter Sandsturm 2011 zu einer Massenkarambolage mit 85 Fahrzeugen, in denen acht Menschen starben und 130 verletzt wurden. Weltweit führt der Verlust natürlicher Ökosysteme zugunsten landwirtschaftlicher Monokulturen dazu, dass für Menschen tödliche Viren von ihren tierischen Wirten auf Menschen überspringen.

Eine nachhaltige und auch ökonomisch funktionierende Alternative zu den heute in der Landwirtschaft üblichen Monokulturen ist die in den 1970er Jahren von Bill Mollison und David Holmgren. F Permakultur, die natürliche Ökosysteme nachahmt, indem man statt nur einer unterschiedliche, sich gegenseitig unterstützende Nutzpflanzen-Spezies nebeneinander anbaut. Dadurch ist der Boden zu keinem Zeitpunkt ungeschützt Sonne und Wind ausgesetzt und Insekten finden vom Frühling bis in den Herbst immer Blüten, sodass sie nicht verhungern.

Für Interessierte habe ich fertige Hypertexte. nach oben

Lerntext Ökologie

Lerntext Ökosystem Wald

Lerntext: "Fotosynthese und Zellatmung"

Lerntext: "Ökologie der Landwirtschaft"

So gesund ist unser Wald 24.9.2017

ökologische Schädlingsbekämpfung 5.1.2018

Abgeholzt - Wie Europas letzte Urwälder verfeuert werden 18.10.2019

Mit Viren aus der Antibiotika-Krise 7.11.2019

Festmahl der Tiere 6.9.2020

Die Sprache der Bäume 26.9.2020

Die geheime Macht der Pilze 27.9.2020

Das Geheimnis der Bäume 21.10.2020

Ausgebrummt - Insektensterben In Deutschland 13.12.2020

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