Wörterbuch u.a. für in meinem Unterricht verwendete Fachausdrücke mit dem Anfangsbuchstaben G

Roland Heynkes, 13.11.2018

Der kleine Buchstabe g steht in meinen Texten je nach Kontext für Gramm oder für die auf Meereshöhe geltende Konstante 9,81 Meter/Sekunde2 für die Fallbeschleunigung durch die Erde.

G1-Phase nennen Zellbiologen die Phase in der Interphase des Zellzyklus, in welcher eine Zelle nach einer Zellteilung wieder ungefähr zur ursprünglichen Größe heran wächst.

G2-Phase nennen Zellbiologen eine Art Ruhephase im Zellzyklus zwischen der S-Phase und der Mitose.

Galle ist eine je nach den Anteilen der Gallenfarbstoffe Bilirubin (gelblich bis rötlich) und Biliverdin (grünlich) gelbliche bis grünliche Flüssigkeit, von welcher die Leber täglich etwa 700-1000 ml produziert. In der Gallenblase wird sie durch Entzug von Wasser zu einer zähen, bräunlichen Flüssigkeit eingedickt (10-fach konzentriert) und gespeichert. Die hohen Konzentrationen einiger Stoffe (z.B. Cholesterin) können dazu führen, dass ein Teil dieser Stoffe nicht mehr gelöst bleiben kann und die gefürchteten Gallensteine bildet. Meistens werden aber die noch sehr kleinen Steinchen mit der Galle in den Dünndarm gepresst, bevor sie eine gefährliche Größe errichen. Die Galle ist einerseits ein Abfallprodukt und andererseits nützlich für die Verdauung von Lipiden. In die Galle entsorgt die Leber schwer wasserlösliche Stoffe, die bei der Vernichtung von Giftstoffen und Hormon, der Entsorgung überschüssigen Cholesterins oder beim Abbau des roten Blutfarbstoffes entstehen. Die Galle ist leicht alkalisch und in ihr enthaltene Gallensalze sind in der Lage, wasserunlösliche Stoffe wie Fette und andere Lipide zu emulgieren, also größere Tropfen in kleinste Tröpfchen aufzulösen. Entlässt der Magen eine Portion des in ihm stark angesäuerten Nahrungsbreis, dann presst eine Art Peristaltik der Gallenblase und des Hauptgallenganges etwas Galle in den Zwölffingerdarm. Die alkalische Galle neutralisiert dann den sauren Nahrungsbrei und die Gallensalze (Cholat und Chenodesoxycholat) emulgieren im Nahrungsbrei enthaltene Fetttropfen zu kleinsten Tröpfchen, die von Lipasen besser angegriffen werden können. Auch fettlösliche Vitamine werden von Galle umhüllt und können dann besser von der Schleimhaut des Dünndarms aufgenommen werden. Die Galle enthält zwar keine Verdauungsenzyme, aber sogenannte Alkalische Phosphatasen, die Phosphatgruppen von Proteinen und Nukleotiden abspalten. Damit scheinen sie die Gifte gefährlicher Darm-Bakterien unschädlich zu machen.

Die Gallenblase liegt zwischen der Leber und dem Kopf der Bauchspeicheldrüse, sammelt, konzentriert und entlässt bei Bedarf die von der Leber produzierte Galle in den Zwölffingerdarm ab.

gesättigt = voll, abgefüllt bis zur Grenze dessen, was aufgenommen werden kann (Gesättigte Lösungen enthalten soviel von einer Substanz, wie die das Lösungsmittel maximal aufnehmen kann. Gesättigte Kohlenwasserstoffe oder Fettsäuren enthalten an ihren Kohlenstoffgerüsten soviele Wasserstoffatome wie möglich und deshalb keine Doppelbindungen.)

Gamet ist der Fachbegriff für eine Geschlechtszelle. Das ist eine haploide Zelle, sie hat also nur einen einfachen Chromosomensatz. In höheren mehrzelligen Lebewesen dienen die Gameten der sexuellen Fortpflanzung. Indem sie miteinander verschmelzen, erzeugen sie (z.B.: Spermien und Eizellen) neue Lebewesen mit normalerweise einmaligen Kombinationen der mütterlichen und väterlichen Baupläne.

Gametophyt nennt man eine mehrzellige, Gameten bildende Pflanze. Bei Pflanzen mit Generationswechsel gehört der Gametophyt zur sexuellen (geschlechtlichen) Generation und er ist haploid. Bei den Moosen ist noch die haploide, sexuelle Generation die dominierende. Man sieht fast nur die Gametophyten. Bei den Farnen ist es schon umgekehrt. Der Farn-Gametophyt bleibt winzig klein und kurzlebig und dient nur der sexuellen Fortpflanzung. Noch extremer ist das bei den noch moderneren Samenpflanzen, bei denen die Gametophyten nur noch aus wenigen Zellen bestehen. Im männlichen Pollen sind das nur 2 Gameten und eine weitere Zelle.

γ-δ-T-Zelle oder gamma-delta-T-Zelle heißt eine Gewebe-spezifische T-Zelle, die statt des normalen T-Zell-Rezeptors aus -α und β-Untereinheiten nur T-Zell-Rezeptoren aus γ- und δ-Untereinheiten besitzen. γ-δ-T-Zellen findet man hauptsächlich in Haut-, Darm- und Lungen-Epithel. In der Haut werden sie auch dendritische epidermale Zellen genannt. Während die normalen α-β-T-Zell-Rezeptoren Peptid-Antigene nur auf MHC-Präsentiertellern erkennen, binden γ-δ-T-Zell-Rezeptoren Peptide und andere Moleküle auch ohne Präsentierteller.

Ganglienzelle = Nervenzelle mit erregungsleitenden Plasmabestandteilen

Ganglion oder Nervenknoten = außerhalb des Zentralnervensystems gelegene Anhäufung von Nervenzelle

Gärung nennen Biologen den von Mikroorganismen zu ihrer Ernährung angewandten Abbau organischer Stoffe ohne Einbeziehung von externen Elektronenakzeptoren wie beispielsweise Sauerstoff.

Gastrulation nennt man während der Embryogenese vielzelliger Tiere die Phase, in der sich die Blastula einstülpt und die Keimblätter sich bilden.

Gattung ode Genus nennen Biologen eine Rangstufe innerhalb der Hierarchie der biologischen Systematik. Sie steht oberhalb der Art im Sinne einer Spezies und unterhalb der Familie. Eine Gattung ist also eine Gruppe verwandter Spezies.

Geburtskanal nennt man den Kanal (Weg), durch den ein Fötus während der Geburt aus dem Uterus durch den Gebärmutterhals und die Scheide nach draußen gelangt.

Gedächtniszellen sind keine Nervenzellen, sondern Zellen des Immunsystems. Dabei handelt es sich um Lymphozyten, die zur Bekämpfung einer Infektions-Krankheit aktiviert wurden und nach der Überwindung der Krankheit übrig blieben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Lymphozyten überleben die Gedächtniszellen jahrelang und halten die Erinnerung an "ihren" Krankheitserreger wach. Man nennt das auch immunologisches Gedächtnis. Wird unser Immunsystem noch einmal mit einem früher schon erfolgreich bekämpften Keim konfrontiert, dann werden die Gedächtniszellen schnell wieder aktiv und können innerhalb weniger Stunden eine Immunreaktion auslösen, für die unser Immunsystem ansonsten mehrere Tage benötigt.

Gefäß bedeutet in der Biologie nicht so etwas wie eine Tasse oder Vase. Biologen meinen damit lebende Transportgefäße wie unsere Adern oder die Leitbündel von Pflanzen.

Gefühl nennt man eine Wahrnehmung, wenn die von Nerven übermittelten Informationen nicht von Augen, Ohren, Nase oder Zunge, sondern von der Haut oder aus dem Inneren des Körpers kommen. Mit einem Gefühl (Intuition, Ahnung) kann aber auch eine nicht mit Argumenten begründbare, intuitive (gefühlsmäßige) Meinung gemeint sein. Mit Gefühl (Gespür) kann auch gemeint sein, dass man nicht gefühllos auf den Gefühlen anderer Menschen herumtrampelt oder ein empfindliches Gerät nicht durch unangepasste Behandlung beschädigt. Und mit einem Gefühl (Empfindung) kann eine Stimmung wie Traurigkeit oder Freude gemeint sein.

Gehirn (Cerebrum von lateinisch cerebrum, Encephalon von griechisch egkephalos) nennt das Online-Lexikon der Neurowissenschaft für mich sehr einleuchtend den Teil des Nervensystems, der die nervösen Aktivitäten eines Organismus koordiniert. Problematisch ist nur, daß der Fachbegriff Cerebrum einmal für das gesamte, ein ander mal aber nur für das Großhirn verwendet wird.
Schon bei einfachen Wurm-Arten findet man am vorderen Ende Anhäufungen von Nervenzellen, die auf eine Art Gehirn schließen lassen. Im wie eine Strickleiter aufgebauten Zentralnervensystem der Gliedertiere dominieren ebenfalls die beiden Nervenzellhaufen über dem Schlund. Bei Tintenfischen (Kopffüßlern) und Wirbeltieren findet man schon ein richtiges zentrales Gehirn mit überwiegend nicht direkt sensorischen oder motorischen Nervenzellen in einem Kopf, welches dann aber zumindest bei den höher entwickelten Spezies in sich gegliedert ist. Grund für die Plazierung des Gehirns im Kopf könnte die Notwendigkeit aufwendiger Verarbeitung von Informationen aus den Fernsinnesorganen für das Sehen, Hören und Riechen sein.
Das embryonale Gehirn der Chordatiere besteht anfangs aus einem vorderen (Prosencephalon), einem mittleren (Mesencephalon) und einem hinteren (Rhombencephalon) Bläschen. Während der Embryonalentwicklung stülpt sich der vordere Teil dieses Bläschen zu beiden Seiten hin aus und bildet so die beiden Hemisphären des Endhirn (Telencephalon), während der hintere Teil unpaarig bleibt und später Zwischenhirn (Diencephalon) genannt wird. Aus dessen Boden wachsen paarige Ausstülpungen hervor, welche später Iris, Netzhaut und Pigmentepithel des Auges und den Sehnerv bilden.
Das Online-Lexikon der Neurowissenschaft unterteilt das menschliche Gehirn makroskopisch in Großhirn (Cerebrum), Kleinhirn (Cerebellum) und Hirnstamm (Truncus cerebri), wobei es Großhirn und Hirnstamm aber nicht genau definiert. Der Pschyrembel unterteilt das menschliche Gehirn anatomisch zunächst grob in Großhirn-Hemisphären, Hirnstamm (Truncus encephali) und Kleinhirn (Cerebellum). Demnach wären auch alle nicht zu den Großhirn-Hemisphären gehörenden Teile des Endhirns (Telencephalon) Teil des Hirnstammes (Truncus encephali). Dann aber gliedert er das Gehirn des erwachsenen Menschen feiner und im Widerspruch zu seiner eigenen Grobeinteilung in Endhirn (Telencephalon), Zwischenhirn (Diencephalon), Mittelhirn (Mesencephalon) und Rautenhirn (Rhombencephalon), wobei letzteres wiederum in Hinterhirn (Metencephalon) und Nachhirn (Myelencephalon) unterteilt wird. Der Pschyrembel und das Online-Lexikon der Neurowissenschaft sind auch in der Hinsicht in sich widersprüchlich, daß sie einerseits zwischen Hirnstamm (Truncus encephali) und Kleinhirn (Cerebellum) unterscheiden, andererseits aber das Kleinhirn (Cerebellum) zum Hinterhirn (Metencephalon) zählen, obwohl dieses Teil des Rautenhirns (Rhombencephalon) und damit des Hirnstammes (Truncus encephali) ist.

Gel = mit Wasser gefülltes dreidimensionales Netzwerk langer Molekülketten

gelber Fleck oder Macula lutea heißt ein durch Pigmente gelb gefärbter Bereich auf der Retina. In ihm befindet sich die Fovea centralis, der Ort der schärfsten Sehens, an dem wir nur Zapfen besitzen und mit dem wir deshalb nachts nicht sehen können.

Gelbkörper nennt man den Rest eines Follikels (Eibläschen) im Eierstock nach dem Eisprung. Nach dem die Eizelle mit einer dünnen sie umgebenden Zellschicht aus dem Follikel heraus in den Eileiter gesprungen ist, bildet sich das nun Gelbkörper genannte leere Eibläschen langsam zurück und produziert dabei das Gelbkörperhormon Progesteron.

Gelelektrophorese ist die durch ein elektrisches Feld getriebene Wanderung elektrisch geladener Moleküle durch die Poren eines Geles.

Gelelektrophoretisch heißt mittels Gelelektrophorese.

Gelenk heißt eine bewegliche Verbindung zwischen starren Bauteilen.

Gelenkkapsel heißt in einem Wirbeltier-Skelett eine Faszie, die ein Gelenk umschließt. Auf der Innenseite produziert eine Schleimhaut Gelenkschmiere, verhindert ihr Auslaufen und tauscht sie aus.

Gelenkkopf heißt im Gelenk eines Wirbeltier-Skeletts das in eine Gelenkpfanne passende Ende eines Knochens mit der Form eines menschlichen Kopfes.

Gelenkpfanne heißt im Gelenk eines Wirbeltier-Skeletts das einen Gelenkkopf aufnehmende/umfassende Ende eines Knochens.

Gelenkschmiere heißt die den Knorpel schmierende und ernährende Flüssigkeit im Gelenkspalt im Gelenk eines Wirbeltier-Skeletts.

Gelenkspalt heißt im Gelenk eines Wirbeltier-Skeletts der Spalt zwischen Gelenkpfanne und Gelenkkopf.

schematisch vereinfachte Zeichnung eines Gelenks
Gelenk
1 = Knochenmark, 2 = Knochenrinde, 3 = Knochenhaut, 4 = Sehne, 5 = Knochenbälkchen,
6 = Knorpel, 7 = Gelenkschmiere, 8 = Gelenkkapsel, 9 = Band, 10 = Muskel, 11 = Faszie
Die Zeichnung lässt sich durch Anklicken vergrößern. Dieser Link führt zum ausdruckbaren Arbeitsblatt. Mit meiner Zeichnung versuche ich, den grundsätzlichen Aufbau eines ganz einfachen Gelenks leicht erkennbar zu machen. Unsere Schulter-, Ellbogen-, Knie- oder Sprunggelenke sind sehr viel komplizierter aufgebaut und würden Anfänger nur unnötig verwirren.

Gemüse nennen wir für uns Menschen essbare Wurzeln, Stängel oder Blätter von normalerweise einjährigen Pflanzen. Ganz eindeutig ist aber die Unterscheidung von Obst nicht, denn demnach müsste der aus Blattstielen bestehende Rhabarber eigentlich ein Gemüse sein. Er wird aber traditionell als Obst bezeichnet.

Das Gen ist ein zentraler Begriff der Biologie und ganz typisch für die Biologie ist auch in diesem Fall die Unfähigkeit der Biologen, sich auf eine klare und eindeutige Definition zu einigen. Die Bedeutung des Begriffs Gen hat sich im Laufe der Zeit immer wieder geändert und ist dabei immer unklarer und umstrittener geworden. Ein Grund dafür sind fehlende organisatorische Strukturen für Konsensberatungen und Entscheidungen unter den Biologen. Ein weiterer Grund ist aber auch, dass immer neue Erkenntnisse ein immer komplexeres Bild biologischer Strukturen und Prozesse zeichnen, auf das die einfachen Konzepte und Begriffe der Biologie immer weniger passen. Ausführlich diskutiert wurde das z.B. in: What is a gene, post-ENCODE? History and updated definition. Auch wenn heute insbesondere Schulbücher ganz im Sinne naiver Lehrpläne den falschen Eindruck eindeutiger biologischer Fachbegriffe (Definitionen) zu erwecken versuchen, können wirkliche Fachleute im Moment nicht sagen, ob der Promotor (engl. Promoter) und andere regulatorische Sequenzen Teil eines eukaryotischen Gens sind oder nicht. Relativ unumstritten als Bestandteile von Genen sind alle Nukleotid-Sequenzen, die sich im primären Transkript eines Gens wiederfinden. Entsprechend absichtlich unscharf definiere ich daher provisorisch Gene als in Form von Nukleotid-Sequenzen von Nukleinsäuren (DNA oder RNA) realisierte Baupläne von Genprodukten. Die Genprodukte können Proteine, aber auch rRNAs, tRNAs oder siRNAs sein. Wenn das Genprodukt ein Protein ist, dann wird das Gen zunächst in eine mRNA transkribiert. Diese mRNA bringt den Bauplan für das Protein von der DNA im Zellkern durch eine Kernpore ins Cytoplasma. Dort binden die große und die kleine Untereinheit eines Ribosoms an die mRNA. Das Ribosom übersetzt die Nukleotid-Sequenz der mRNA in die Aminosäure-Sequenz eines Proteins. Jedes Gen unterliegt einer ständigen evolutionären Optimierung. Viele Gene kommen in verschiedenen Varianten (Allelen) in vielen Spezies vor und überdauernd daher auch das Aussterben eines Teils dieser Arten.

Generation nennen Biologen die Summe aller Individuen, die von einem allen gemeinsamen Vorfahren (Ahnen) durch gleich viele Fortpflanzungsvorgänge getrennt sind. In diesem Sinne spricht man auch im Alltag von der Großeltern-, der Eltern- oder der Enkelgeneration in einer Familie.

Genetik oder auf Deutsch Vererbungslehre ist die Wissenschaft bzw. die Teildisziplin der Biologie, die sich mit allen Aspekten der biologischen Vererbung beschäftigt. Genetiker erforschen, wie Lebewesen ihre Baupläne benutzen, verändern und an ihre Nachkommen oder sogar fremde Lebewesen weiter geben. Genetiker benutzen aber auch ihr Wissen, um Krankheiten zu erkennen und zu behandeln oder Lebewesen so zu verändern, dass sie allen oder zumindest einigen Menschen nutzen.

Genetisch bedeutet einfach auf die Genetik bezogen.

Der genetische Code ist im Grunde eine Tabelle, die jeweils drei hintereinander liegenden Bausteinen oder Buchstaben (Nukleotiden) des aus DNA oder RNA (Nukleinsäurenn) bestehenden Bauplans eines Lebewesens je eine Aminosäure zuordnet, die in ein Eiweiß eingebaut werden soll. So steht beispielsweise das Triplett (die Dreierkombination) UGG für die Aminosäure Tryptophan (TRP oder W).

genetische Variabilität bedeutet genetische Unterschiedlichkeit der Individuen einer Spezies.

Genom nennt man im abstrakten Sinn die gesamte vererbbare Erbinformation und materieller gedacht die Gesamtheit aller codierenden und nicht codierenden Sequenzen im Erbmaterial einer Zelle und eines Individuums. Es ist nicht wirklich logisch, aber Angaben von Genom-Größen beziehen sich bei Eukaryoten dann doch nicht auf die gesamte Erbinformation, sondern lediglich auf das haploide Genom. Die mit 3,27 Milliarden Basenpaaren angegebene Genom-Größe des Menschen gilt also eigentlich nur für die Geschlechtszellen. Die Zellkerne menschlicher Körperzellen enthalten demnach gut sechseinhalb Milliarden Basenpaare.

genomisch = das Genom betreffend. Molekularbiologen meinen aber mit genomischer DNA meistens nicht sämtliche, sondern nur die chromosomale DNA.

Genotyp = die Summe aller Erbanlagen eines Individuums

genotypisch = den Genotyp betreffend, vom Genotyp bestimmt

Gen-Shopping oder Gene-Shopping steht für eine Hypothese zur Erklärung der Beobachtung, dass zwar fast alle Frauen sich eine verlässliche, dauerhafte Beziehung mit nur einem Mann wünschen, dass aber etwa jedes 10. Kind von einem anderen Vater abstammt. Die Hypothese erklärt das mit einer weiblichen Doppelstrategie, sich zunächst einen freundlichen und treuen Familienvater zu sichern und trotzdem nicht völlig auf die Chance zu verzichten, gelegentlich auch ein Kind von einem vor allem körperlich besonders attraktiven Mann zu bekommen. Gestützt wird diese Hypothese durch die Beobachtung, dass viele Frauen an ihren fruchtbaren Tagen andere Männer bevorzugen, als sonst.

Gentechnik nennt man die Gesamtheit aller biochemischen, molekularbiologischen und biotechnologischen Methoden, die es mit entsprechenden Kenntnissen der Biochemie, Molekularbiologie, Genetik, Zellbiologie und eventuell auch Mikrobiologie ermöglichen, Gene und ihre Regulationen zu analysieren und zu manipulieren oder Lebewesen mit veränderten Genomen zu erzeugen. Aufgrund unterschiedlicher Anwendungsbereiche unterscheidet man zwischen sogenannter grüner Gentechnik oder Agrogentechnik (Anwendung bei Pflanzen), roter Gentechnik (Anwendung bei Organismen mit rotem Blut oder Zellen aus diesen Wirbeltieren in Medizin und Pharmazeutik), weißer Gentechnik (Anwendung in der Industrie), grauer Gentechnik (Anwendungen speziell in der Abfallwirtschaft) und blauer Gentechnik (Anwendungen auf Tiefseebakterien u.a. Lebewesen des Meeres).

Genu = lateinisch für das Knie bzw. knieförmige Strukturen

Genuss oder das Genießen heißt das gute Gefühl (Freude, Vergnügen, Glück), das jemand beim Genießen von etwas empfindet. Manchmal sagt man auch: "Nach dem Genuss von ...", wenn man meint, dass jemand vorher etwas gegessen hat.

Geruch heißt in der Biologie einfach was man riecht.

gesägter Rand = Ora serrata

Geschlecht im modernen biologischen Sinn kann zweierlei bedeuten: 1) Wenn eine Spezies hinsichtlich ihrer sexuellen Fortpflanzung unterschiedliche Typen entwickelt hat, dann bezeichnet man diese Typen als Geschlechter. Normalerweise sind das ein weibliches und ein männliches Geschlecht, aber es gibt auch nicht eindeutig männliche oder weibliche Zwischenformen. 2) Bezogen auf ein Individuum meinen wir mit seinem Geschlecht seine Zuordnung zu einem der beiden Geschlechter. Bei Menschen kann diese Zuordnung allerdings schwierig oder sogar unmöglich sein.

geschlechtlich = sexuell

Geschlechtschromosom nennt man in der Genetik ein Chromosom, welches bei sexueller Fortpflanzung das Geschlecht der Zygote bestimmt.

Geschlechtsorgan nennt man ein Organ, welches der geschlechtlichen, also der sexuellen Fortpflanzung dient und zu diesem Zwecke Geschlechtszellen mit haploidem Chromosomensatz bildet.

Geschlechtsverkehr nennt man die körperliche Aktivität, deren ursprünglicher biologischer Zweck die sexuelle Fortpflanzung ist. Dazu mussen männliche und weibliche Geschlechtszellen zusammen gebracht werden. Menschen, Delphine und andere hochentwickelte Tiere praktizieren den Geschlechtsverkehr auch aus verschiedenen anderen Gründen.
Adrenalin
anonymer Zeichner, CC BY-SA 3.0
Adrenalin
anonymer Zeichner, CC BY-SA 3.0

Geschlechtszellen nennt man die besonderen Zellen, durch deren Verschmelzung bei der sexuellen Fortpflanzung neue Individuen entstehen.

Geschlossenes System heißt in der Biologie in Anlehnung an die Physik ein System, das mit seiner Umgebung zwar Energie, aber keine Materie austauscht.

Geschmack heißt in der Biologie einfach was man schmeckt. Man kann Geschmack aber auch im Sinne einer Vorliebe meinen.

Gesichtsfeld nennen Biologen und Ärzte den gesamten Bereich seiner Umgebung, den ein Lebewesen bei ruhiger, gerader Kopfhaltung und scheinbar bewegungslos geradeaus gerichtetem Blick mit den Augen wahrnehmen kann. Beim Blick durch ein Lichtmikroskop bezeichnet man den dann sichtbaren Bereich ebenfalls als Gesichtsfeld.

Gestagene sind von Menschen künstlich hergestellte Hormone, die dem natürlichen, weiblichen Sexualhormon Progesteron ähneln. Progesteron wird aber auch als natürliches Gestagen bezeichnet.

Gesundheit definiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Zustand vollkommenen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens. Nach dieser Definition wären allerdings nur wenige Menschen gesund. Im allgemeinen versteht man unter Gesundheit die Abwesenheit erheblicher Krankheiten, mit denen man sich schlecht abfinden kann.

Gewebe nennt man in Biologie und Medizin Ansammlungen gleichartiger oder unterschiedlicher Zellen mit gleichen oder ähnlichen Funktionen, die gemeinsam bestimmte Aufgaben erfüllen.

Gewicht oder Gewichtskraft nennt man in den Naturwissenschaften die Kraft, mit der ein Körper von einem viel größeren angezogen wird. Während die Masse eines Körpers unabhängig von seiner Umgebung immer gleich bleibt, hängt das Gewicht nicht nur von seiner eigenen Masse ab, sondern auch von der Masse des anderen Körpers. Deshalb hat ein Mensch auf dem Mond immer noch die selbe Masse wie auf der Erde, aber sein Gewicht ist wegen der geringeren Masse des Mondes viel geringer als auf der Erde.

Glandula = Drüse

Glandula epiphysialis ist ein sehr unüblicher Name für die Epiphyse

Glaskörper = Corpus vitreum

Glaskörperkanal = Canalis hyaloideus

Glaskörpermembran = Membrana vitrea oder Membrana hyaloidea

glattes endoplasmatisches Retikulum heißt der nur in einigen Zellen eindeutig erkennbare, keine Ribosomen tragende, multifunktionelle Anteil des endoplasmatischen Retikulums (ER) in eukaryotischen Zellen. Es besteht aus einem Netzwerk röhrenförmiger Membranen mit Zisternen genannten, großen, abgeflachten Aussackungen. Es dient unter anderem dem Transport wichtiger Stoffe innerhalb der Zelle, der Calciumspeicherung (Muskelzellen), der Steroidhormon-, Lipid- und Glycogen-Synthese sowie der Glycogen-Spaltung, der Entgiftung und dem Hormon-Transport. Vom glatten ER schnüren sich Vesikel ab, die danach zum Golgi-Apparat transportiert werden.

Gleichgewicht oder Gleichgewichtszustand nennen wir Naturwissenschaftler einen zumindest für kurze Zeit unveränderten (statischen, stabilen) Zustand in einem (dynamischen) System, das zur Veränderung neigt, sobald das Gleichgewicht verloren geht.

Das Gleichgewichtsorgan im menschlichen Innenohr besteht eigentlich aus zwei Sinnesorganen. Die drei mit Lymphflüssigkeit gefüllten Bogengänge bilden unseren Drehsinn. Zwischen den Bogengängen und der Schnecke bilden zwei Maculaorgane genannte Höhlen namens Sacculus und Utriculus unseren Schwerkraftsinn. Beide Sinnesorgane enthalten Sinneszellen und mit ihnen verbundene Ohrsteinchen, die man Statolithe oder Otolithe nennt. In den Bogengängen helfen die Ohrsteinchen den Sinneszellen, bei Beschleunigungen die Bewegungen der Bogengänge relativ zu der in ihnen befindlichen trägen Masse der Endolymphe zu fühlen. Die Härchen der Sinneszellen biegen sich und melden das dem Gehirn. In den Maculaorganen zieht die Schwerkraft der Erde die Ohrsteinchen nach unten und die Härchen der Sinneszellen werden entsprechend gebogen.

Gleichgewichtssinn heißt unser Sinn für das Gleichgewicht. Gemeint ist damit unsere Fähigkeit, mit Hilfe des Gleichgewichtsorgans festzustellen, ob unsere Körper sich im Gleichgewicht befinden oder vom Umfallen bedroht sind.

Glia ist eine Kurzform von Neuroglia. Der Name Glia leitet sich vom griechischen Wort für Leim ab und bezeichnet alle Nichtnervenzellen des Nervensystems. Diese unterstützen die Nervenzellen.

Eine Gliazelle ist eine zum Neuroglia gehörende, also nicht neuronale und auch im Alter noch vermehrungsfähige Zelle des Nervensystems. Dazu gehören Astrozyten, Oligodendrozyten und Hortega-Zellen.

Den Globus pallidus nennt man auch Pallidum oder bleiche Kugel. Er besteht aus den Teilen Pars externa und Pars interna und befindet sich zwischen Thalamus und Putamen. Gemeinsam mit dem ihn zur Hirnaußenseite hin umhüllenden Putamen bildet das Pallidum den Linsenkern (Nucleus lentiformis), der wiederum Teil des Streifenkörpers (Corpus striatum) und der Basalganglien ist. Er ist aber ein Antagonist des Striatums im engeren Sinne. Eine Schädigung des Pallidums führt zu Bewegungsarmut und Ungeschicklichkeit.

Glomerulus = Knäuel (z.B. Kapillarknäuel der Nierenrinde, aber auch die Glomeruli des Bulbus olfactorius, in denen Knäuel von 100-1000 Riechzell-Axonen mit den Dendriten von je einer Mitralzelle verschaltet sind.) (siehe http://www.sinnesphysiologie.de/olf/olf10l.htm)

Glucagon oder Glukagon ist ein in der menschlichen Bauchspeicheldrüse von alpha-Inselzellen produziertes und bei erniedrigter Blutzucker-Konzentration oder nach einer Eiweiß-reichen Mahlzeit ins Blut ausgeschüttetes Hormon, welches aus 29 Aminosäuren besteht und als Gegenspieler des Insulins wirkt. Indirekt fördert Glucagon die Freisetzung von Glucose durch den Abbau von Glykogen in der Leber, aber es fördert auch die enzymatische Freisetzung freier Fettsäuren aus Lipiden in Fettgeweben und den Abbau von Proteinen. Es stimuliert auch die Freisetzung von Insulins und anderen Hormonen.

D-Glucose in verschiedenen Formen und Darstellungen
Glucose oder Traubenzucker heißt ein Monosaccharid (Einfachzucker) mit 6 C-Atomen und der Summenformel C6H12O6. Glucose ist ein Monomer (Baustein) zahlreicher pflanzlicher Polysaccharide und tierischer Glykoproteine. Die Glucose kann verschiedene Konformationen annehmen, für die es verschiedene Schreibweisen gibt.
Keilstrichformel Haworth-Schreibweise
D-Glucose_Keilstrich
D-Glucose
alpha-D-Glucofuranose
alpha-D-Glucofuranose
Beta-D-Glucofuranose
β-D-Glucofuranose
alpha-D-Glucopyranose
α-D-Glucopyranose
Beta-D-Glucopyranose
β-D-Glucopyranose
NEUROtiker, gemeinfrei
alpha-D-Glucopyranose
1. Tollens-, 2. Haworth-, 3. Sesse-l und 4. absolut-stereochemische Darstellung von alpha-D-Glucopyranose
anonym, Public domain
Glucose-Modell Glucose-Modell
Diese kleine Animation eines anonymen Zeichners zeigt den Ringschluss eines β-D-Glucopyranose-Moleküls

Gluten nennt man ein Gemisch verschiedener Reserve-Proteine (Prolamine und Gluteline), die nach Auflösung in Wasser zusammen den Kleber bilden, der den Brotteig zusammenhält. Es gibt diesen Kleber vor allem in Weizen, Dinkel, Kamut, Emmer, Einkorn und Hartweizen. Hafer und Gerste enthalten nur wenig Klebereiweiß. Die Getreide-Arten Teff, Hirse, Mais und Reis sowie Pseudogetreide wie Quinoa, Amarant und Buchweizen sind glutenfrei. Das ist wichtig zu wissen, weil es Menschen gibt, bei denen Gluten zu einer Glutenüberempfindlichkeit oder sogar zu einer Zöliakie genannten, entzündlichen Erkrankung der Darmschleimhaut führt.

Glycerin, Glyzerin oder Glycerol nennt man den einfachsten dreiwertige Alkohol, ein Triol und Zucker-Alkohol mit dem chemischen Namen Propan-1,2,3-triol. Glycerin ist in allen natürlichen Fetten und fetten Ölen als Fettsäureester (Triglyceride) vorhanden und verbindet die Fettsäuren sowie gegebenenfalls polare Molekülteile.Glycerin spielt auch eine zentrale Rolle als Zwischenprodukt in verschiedenen Stoffwechselprozessen.

Glycogen, Glykogen, tierische Stärke oder Leberstärke nennt man ein verzweigtes Polysaccharid, das in Tieren und Pilzen zur kurz- bis mittelfristigen Speicherung des Energieträgers Glucose aus dem Monosaccharid Traubenzucker (Glucose) aufgebaut wird. Den Aufbau von Glykogen nennt man Glykogen-Synthese, den Glykogenabbau Glykogenolyse. Im Menschen passiert das hauptsächlich in Leber- und Muskelzellen zum Ausgleich von Überangeboten bzw. Bedarf an Kohlenhydraten. Glykogen besteht aus einem zentralen Protein (Glykogenin), an das bis zu 50.000 Glucose-Bausteine meist alpha-1,4-glykosidisch geknüpft sind. Alle 8 bis 12 Glucose-/Monosaccharid-Bausteine erfolgt neben der alpha-1,4-glykosidischen Bindung eine weitere alpha-1,6-glykosidische Verknüpfung, wodurch das Molekül baumartig verzweigt wird. So kann bei Bedarf an vielen verschiedenen Stellen innerhalb eines Moleküls Glykogen zu Glucose abgebaut werden.

Glykolyse
Glykolyse Glykolyse nennt man in der Biochemie einen zentralen Stoffwechselweg im Energiestoffwechsel und den zentralen Prozess beim Abbau aller Kohlenhydrate in allen Eukaryoten. Selbst unter Bakterien und Archaeen ist die Glykolyse weit verbreitet. In 10 hintereinander geschalteten Stoffwechselreaktionen wird das Monosaccharid Traubenzucker (Glucose) zur doppelten Anzahl von Pyruvat-Molekülen abgebaut. Dabei werden insgesamt jeweils 2 Moleküle ATP und NADH gewonnen.

DHAP steht für Dihydroxyacetonphosphat.

Vertiefende Informationen über die Glycolyse findet man auf einer Seite der Uni Düsseldorf.

Diese Darstellung der Glykolyse habe ich auf der Grundlage eines anonym unter der Lizenz Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 der Wikimedia Commons zur Verfügung gestellten Schemas erstellt, um meine Schüler nicht mit anderen Namen zu verwirren und um ein im ursprünglichen Schema fehlendes Detail zu ergänzen.

glykosiliert = verzuckert durch Anhängung eines, mehrerer oder vieler Zucker-Moleküle

Glykosilierung = Verzuckerung durch Anhängung eines, mehrerer oder vieler Zucker-Moleküle

GnRH = Gonadotropin-releasing-Hormon

Golgi-Apparat
Nucleus_ER_golgi von Magnus Manske aus Wikimedia Commons
  1. Kernhülle
  2. Kernpore
  3. raues endoplasmatisches Retikulum
  4. glattes endoplasmatisches Retikulum
  5. Ribosom auf dem ER
  6. Proteine im ER, in einem Vesikel und in einem Dictyosom
  7. Transportvesikel
  8. Dictyosomen als Teil des Golgi-Apparates
  9. Cis-Seite des Golgi-Apparates (dem ER zugewandt)
  10. Trans-Seite des Golgi-Apparates (der Zellmembran zugewandt)
  11. Zisternen des Golgi-Apparates
Der Golgi-Apparat ist nur elektronenmikroskopisch erkennbar und befindet sich in der Nähe des Zellkerns. Er modifiziert, adressiert und schickt Proteine und Lipide an ihre Bestimmungsorte in oder außerhalb der Zelle. Der Golgi-Apparat besteht aus 4-6, bei manchen Einzellern bis zu mehreren Hundert Dictyosomen genannten Stapeln flacher Membransäckchen (Zisternen).
Diese Zeichnung wurde von Magnus Manske der Wikimedia Commons zur Verfügung gestellt.
Auf der konvexen, dem ER zugewandten cis-Seite verschmelzen vom ER abgeschnürte Vesikel mit den Ausläufern des Golgi-Apparates zunächst zu einem cis-Golgi-Netzwerk aus Vesikeln und Zisternen. Darin vereinigen sich die im ER produzierten biologischen Makromoleküle mit durch Abschnürung von Vesikeln von der Zelloberfläche zurückgeholten Proteinen. Von der cis-Seite können sich aber auch Vesikel abschnüren, die zum ER wandern. Die vom ER ab- und der Zellmembran zugewandte Seite ist konkav, löst sich zum sogenannten trans-Golgi-Netzwerk auf und verschwindet durch die Abschnürung von Golgi-Vesikeln, während die inneren Zisternen nachrücken. Die Zisternen zwischen den Golgi-Netzwerken werden Golgi-Stapel genannt. Auch innerhalb dieser Stapel scheinen die Zisternen in beide Richtungen Vesikel auszutauschen. In den Dictyosomen werden unter anderem Sekrete kondensiert und verpackt, Glykolipide synthetisiert und Proteine an den Aminosäuren Serin und Threonin glykosiliert, an den Zuckerresten sulfatiert, von Signalpeptiden befreit und teilweise durch Spaltung aktiviert.

Gonaden oder Keimdrüsen nennt man die primären, also 1. schon bei Neugeborenen vorhandenen und 2. für die Fortpanzung unverzichtbaren Organe Eierstock (bei der Frau) und Hoden (beim Mann).

Gonadotropine nennt man zusammenfassend trophische Hormone, welche Funktionen der Keimdrüsen (Eierstöcke und Hoden) stimulieren (anregen). Zu den Gonadotropinen gehören die im Vorderlappen der Hypophyse gebildeten trophischen Hormone FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) sowie das während der Schwangerschaft in der Plazenta synthetisierte Choriongonadotropin.

Gonadotropin-releasing-Hormon nennt man ein im Zwischenhirn vom Hypothalamus gebildetes trophisches Hormon, das in der Hypophyse die Bildung und Freisetzung der beiden Gonadotropine FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) anregt.

Gonosom nennt man in der Genetik jedes Geschlechtschromosom.

GPI-Anker nennt man ein Glycosylphosphatidylinositol-Molekül, welches in einer Zellmembran steckt und ein extrazelluläres Protein an diese bindet.

granular = körnig

Granulopoese (englisch: granulopoiesis) oder genauer Granulozytopoese (englisch: Granulocytopoiesis) nennt man die hauptsächlich im Knochenmark stattfindende Entwicklung zahlreicher Granulozyten aus wenigen multipotenten (Manche nennen sie auch pluripotent.) hämopoetischen Stammzellen (HSC). Die Stammzellen können nur in bestimmten Nischen Stammzellen bleiben und nur eine von zwei Tochterzellen findet darin Platz. Der anderen Tochterzelle droht der Verlust der Unsterblichkeit, wenn sie keine andere freie Nische findet. So bleibt die Zahl der Stammzellen nahezu konstant. Nach dem Verlust der Stammzellfähigkeit nennt man die Nachkommen der zweiten Stammzell-Tochterzellen multipotent progenitors (MPP) oder multipotente Vorläuferzellen.
Wie fast immer in der Biologie ist die Sache natürlich auch in diesem Fall in Wirklichkeit sehr viel komplizierter. Unter anderem werden immer neue Untergruppen (Subtypen) von hämopoetischen Stammzellen (HSC) entdeckt. So wird inzwischen zwischen Langzeit- und Kurzzeit-Stammzellen unterschieden. Und man konnte nachweisen, dass es Stammzellen gibt, in denen bereits einzelne von den Genen aktiv sind, die eigentlich typisch für bestimmte spezialisiertere Zelltypen sind. Das bedeutet auch, dass aus der zweiten Tochterzelle der ursprünglichen Stammzelle nicht unmittelbar und nicht nur ein einziger multipotenter Progenitor (MPP) entsteht, sondern durch mehrere Zellteilungen entstehen mehrere MPP. Die Notwendigkeit der flexiblen Regulierbarkeit der Hämopoese spricht außerdem dafür, dass die Zahl der Zellteilungen zwischen der Langzeit-hämopoetischen Stammzelle und dem multipotenten Progenitor nach Bedarf flexibel eingestellt werden kann.
Wenn nötig, sind die MPP noch in der Lage, ihre Differenzierung zugunsten einer stärkeren Vermehrung zu verlangsamen. Die multipotenten Vorläuferzellen (MPP) teilen sich und ihre Tochterzellen verlieren langsam und anfangs noch reversibel einen Teil ihrer Multipotenz. Das bedeutet, dass sie sich für eine von mehreren möglichen Entwicklungslinien entscheiden. Im Falle der Granulopoese entscheiden sie sich vorläufig gegen den lymphoiden und für den myeloiden Entwicklungsweg. Man bezeichnet diese noch multipotente und reversibel auf die myeloide Linie festgelegte Tochterzellen als myeloische Vorläuferzelle. Ihre Tochterzellen können sich noch entscheiden, zu Blutplättchen, roten Blutkörperchen, Granulozyten, Makrophagen, Mastzellen oder dendritische Zelle zu differenzieren.
Erst mit der Entscheidung für den Entwicklungsweg zu Granulozyten beginnt die Granulopoese im engeren Sinne. Sie führt über Myeloblasten, Promyelozyten, Myelozyten und Metamyelozyte zu eosinophilen, neutrophilen und basophilen Granulozyten.

Granulozyten sind polymorphkernige (polymorphnukleär) Leukozyten (Polymorphnukleäre Zellen oder PMN) mit anfärbbaren Körnchen (Lysosomen und sekretorische Vesikel), die anhand der jeweils wirksamen sauren oder basischen Farbstoffe eine Unterscheidung in neutrophile (>90%), eosinophile (1-5%) und basophile (<=1%) Granulozyten erlauben. Insgesamt stellen die Granulozyten mit 45-75 % die größte Gruppe der Leukozyten (weiße Blutzellen). Granulozyten werden im Knochenmark gebildet und ins Blut abgegeben. Sie können sich an Aderwände anheften und werden durch Eiweißzerfallsprodukte oder Stoffwechselprodukte von Krankheitserregern angelockt. Sie sind zur aktiven Bewegung sowie zum Verlassen des Blutstroms fähig. Granulozyten machen rund 2/3 der Blut-Leukozyten aus. Die Halbwertzeit der im Blut zirkulierenden Granulozyten soll nur 6-7 Stunden betragen. Der Abbau der Granulozyten erfolgt im mononukleären Phagozytosesystem durch Monozyten. Neutrophilee heißen aufgrund ihrer gelappten Zellkerne auch polymorphonukleäre Granulozyten. Und neutrophile Granulozyten heißen sie, weil sie sich am besten mit neutralem Farbstoff anfärben lassen und weil dann ihre Lysosomen als Granula erkennbar sind. Diese Granulozyten werden zu den Fresszellen gezählt und bilden einen Großteil des Eiters. Eosinophile Granulozyten lassen sich besonders mit Eosin anfärben. Die auch Blutmastzellen genannten basophilen Granulozyten sekretieren Histamin, in manchen Spezies Serotonin, um zusammen mit Mastzellen Entzündungsreaktionen zu steuern. Sie scheinen dadurch auch parasitäre Infektionen zu bekämpfen und gelegentlich Typ-I-Überempfindlichkeitsreaktionen zu verursachen.

Einteilung der Granulozyten
Neutrophile Granulozyten oder Neutrophile (Durchmesser 12-15 µm, Lebensdauer 1-4 Tage) bleiben nur 6-8 Stunden im Blut, solange sie darin nicht gebraucht werden. Angelockt durch Makrophagen wandern sie in infizierte Gewebe und bekämpfen dort Bakterien, Viren, Pilze und einzellige Parasiten durch Fressen (Phagozytose), Anknabbern (Trogozytose) sowie durch Exocytose ihrer Lysosomen. Diese sind gefüllt mit sauren Hydrolasen und neutralen Proteasen sowie mit Defensinen, Myeloperoxidasen und Cathelicidinen. Sterbend stoßen sie ihre Zellkerne aus, in deren DNA sich die Keime verfangen. Eosinophile Granulozyten (Durchmesser 12 µm, Lebensdauer 1-2 Wochen) bekämpfen meist außerhalb des Blutes Würmer und andere Parasiten mit lysosomalen hydrolytischen Enzymen und Peroxidase, die aus ihren Granula durch Exozytose an die Umgebung abgeben. Sie sind aber auch an Typ-I-Allergien (Soforttyp) und Überempfindlichkeitsreaktionen des Typs IV (verzögert) beteiligt. Basophile Granulozyten (Durchmesser 10 µm, Lebensdauer 1 Woche) steuern Entzündungsreaktionen durch Ausschüttung von Histamin.
stabkerniger neutrophiler Granulozyt segmentkerniger neutrophiler Granulozyt eosinophiler Granulozyt basophiler Granulozyt
junger stabkerniger neutrophiler Granulozyt ausgereifter segmentkerniger neutrophiler Granulozyt eosinophiler Granulozyt basophiler Granulozyt
Diese vier Photos wurden von einem anonymen Wikipedia-Autor frei verfügbar gemacht.

Granulum heißt ein unter dem Lichtmikroskop sichtbares Vesikel, in dem eine Zelle bestimmte Stoffe speichert und aus der Zelle hinaus befördert.

Gravitation oder Gravitationskraft nennt man die Massenanziehung, also die Kraft, mit der sich Massen gegenseitig anziehen. Die Gravitation ist eine der vier Grundkräfte der Physik. Sie nimmt mit zunehmender Entfernung der Massen ab, besitzt aber eine unbegrenzte Reichweite. Anders als elektrische oder magnetische Kräfte lässt sie sich nicht abschirmen.

Gravitationssinn ist ein anderes Wort für Schwerkraftsinn, der sich beim Menschen im Gleichgewichtsorgan befindet.

Griffel nennen Botaniker den schlanken mittleren Bereich eines Stempels zwischen Fruchtknoten und Narbe.

Großhirn nennt man das Cerebrum. Das folgende animierte gif zeigt das menschliche Großhirn in einem rotierenden Modellen des menschlichen Hirns

rotierendes Hirn-Modell
BodyParts3D/Anatomography, The Database Center for Life Science, CC-BY-SA-2.1-jp
Dieses rotierende Modell eines menschlichen Hirns hebt das Großhirn rot hervor.

Großhirnrinde heißt die graue, nur 2 bis 5 Millimeter dicke äußere Schicht des Großhirns, in der sich die Nervenzellkörper befinden.

Grottenolm heißt ein blindes, höhlenbewohnendes Tier, das wie ein lang gezogener rosafarbener Molch aussieht. Es hat aber wie ein noch ganz junger Molch hinter den Augen Kiemenbüchel und es kann so alt wie Menschen werden. Er hat sehr dünne Arme und Beine mit nur drei Fingern an den Händen und zwei Zehen an den Füßen. Leider ist es extrem selten.

Grundnahrungsmittel nennt man die Nahrungsmittel, mit denen eine menschliche Gesellschaft im wesentlichen ihre Grundversorgung mit den Makronährstoffen sicherstellt.

Grundumsatz nennt man hochgerechnet auf einen ganzen Tag den Energie-Bedarf, den ein Lebewesen selbst dann nicht unterschreiten könnte, wenn es den ganzen Tag nur völlig entspannt herumläge.

GSS = Gerstmann-Scheinker-Sträußler-Syndrom = eine erbliche Prionkrankheit des Menschen

Guanin (abgekürzt G) nennt man die Purin-Base 2-Amino-6-oxopurin, die mit D-Ribose bzw. D-Desoxyribose die Nukleoside Guanosin bzw. Desoxyguanosin bildet.

Guanosin (abgekürzt G) nennt man ein aus der Purin-Base Guanin und der Pentose (Zucker mit 5 Kohlenstoff-Atomen) D-Ribose gebildetes Nukleosid. Durch Veresterung von Guanosin-Nukleosiden mit Phosphorsäure entstehen die Nukleotide Guanosinmonophosphat (GMP), Guanosindiphosphat (GDP) und Guanosintriphosphat (GTP). GMP ist einer der 4 normalen Bausteine der RNA.

Gyrus cinguli (lateinisch: Gyrus cinguli) heißt deutsch Gürtelwindung (Gyrus = Windung und cingulum = Gürtel). Sie liegt als Teil der Großhirnrinde direkt oberhalb des Corpus callosum und . Es handelt sich um eine in beiden Großhirnhälften vorhandene Struktur des Endhirns, die bei verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich aussieht. Funktionell gehört der Gyrus cingulizum limbischen System und ist sogar dessen größte Teilstruktur. Zusammen mit dem Hippocampus bildet der Gyrus cinguli in jeder Großhirnhälfte den äußeren Ring des Limbischen Systems. Im Gegensatz zu einer Aussage in der Wikipedia verbindet sie nicht die mittleren Teile der beiden Großhirnhälften. Der Gyrus cinguli beeinflusst Aufmerksamkeit, Schmerzverarbeitung sowie die Regulation von Affekten und ist maßgeblich an der dauerhaften Abspeicherung von Gedächtnisinhalten beteiligt. Der hintere Teil des Gyrus cinguli steuert vor allem unsere Aufmerksamkeit bei der visuellen Wahrnehmung und ist für unser räumliches Gedächtnis verantwortlich. Die vorderen Teile der beiden Gyrus cinguli bestehen hauptsächlich aus motorischen Nervenzellen und beeinflussen dementsprechend unsere Bewegungen (insbesondere Mimik und Gestik). Er ist aber auch aktiv bei der Bewertung von Schmerzreizen und wenn wir uns zwischen sich widersprechenden Reizen entscheiden müssen.
der Gyrus cinguli der rechten Großhirnhälfte
Gyrus cinguli der rechten Großhirnhälfte
Henry Gray, Anatomy of the Human Body. Philadelphia: Lea & Febiger, 1918, Seite 820, Zeichnung 727, Bartleby.com: Gray's Anatomy, Plate 727, Boskoop, public domain. Für hartgesottene gibt es auch ein Foto davon.

Gyrus parahippocampalis heißt eine direkt neben (para) einem Hippocampus liegende und eng mit diesem verbundene Struktur des Großhirns. Der Gyrus parahippocampalis ist quasi der Pförtner des Hippocampus und verbindet diesen mit anderen Teilen des Gehirns. Deshalb ist es besonders schlimm, dass ausgerechnet dieser Teil des Gehirns bei einer Alzheimer-Erkrankung zu den ersten geschädigten gehört. Für die Verarbeitung visueller Informationen wichtige Teile des Gyrus parahippocampalis sind deutlich aktiver, das Gesichtsfeld erweitert sich und man nimmt mehr Details wahr, wenn man in guter Stimmung ist. Schlechte Stimmung sorgt für einen Tunnelblick. Besonders aktiv ist der vordere Bereich des Gyrus parahippocampalis, wenn wir Häuser, Orte oder Hintergründe sehen oder wenn es allgemein um räumliche Anordnungen geht.

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Roland Heynkes, CC BY-SA-4.0