Wörterbuch u.a. für in meinem Unterricht verwendete Fachausdrücke mit dem Anfangsbuchstaben F

Roland Heynkes, 11.11.2018

Fachlicher Kontext heißt ein unverbindlicher Vorschlag des Kernlehrplans zu konkreten Unterrichtsinhalten, die durch Beschlüsse der Fachkonferenzen in den schulinternen Curricula besser an die Schulbücher, die Erfahrungen der Lernenden und an wissenschaftliche Fortschritte angepasst werden können.

Faktor nennen wir in der Biologie manchmal rein mathematisch eine Zahl oder Variable, mit welcher eine oder mehrere andere multipliziert werden. Meistens meinen wir aber etwas, das zusammen mit anderen Faktoren (Ursachen oder Einflussgrößen) einen Vorgang oder ein Ergebnis beeinflusst.

Falsifizierung nennt man die Widerlegung einer Aussage.

Farne sind Gefäßsporenpflanzen, die stärker als die Moose an das Leben außerhalb des Wassers angepasst sind. Zu den Gefäßsporenpflanzen gehören auch die Bärlapppflanzen, aber die Farne sind näher mit den Samenpflanze verwandt. Von diesen unterscheiden sie sich aber, indem sie statt der diploiden Samen für die Verbreitung über große Entfernungen haploide Sporen bilden. Und anstatt in Blüten tun sie das in Sporenkapseln.

Fasciculus uncinatus heißt im Großhirn ein kompaktes Nervenfaserbündel, das Teile des Temporallappens mit unteren Teilen des Stirnhirns verbindet. Es gibt aber auch im Kleinhirn einen Fasciculus uncinatus als Teil der Verbindung zwischen den Kleinhirn-Hälften (Commissura cerebelli).

Faszia bulbi = Tenon-Kapsel

Faszie nennen Mediziner ein Gewebe, das Nichtmediziner als Bindegewebe bezeichnen würden. Blut, Knorpel und Knochen werden zwar von Medizinern (im Gegensatz zu Laien) zu den Bindegeweben gezählt, aber nicht zu den Faszien. Natürlich gibt es auch im Fall der Faszien hinsichtlich der Definition wieder keine Einigkeit unter allen Experten und es gibt auch recht unterschiedliche Arten von Faszien. Allgemein kann man aber sagen, das Faszien meist dünne und flexible Gewebe sind, die unsere Organe, Blutgefäße und Nerven umgeben und zusammenhalten (z.B.: Hirnhäute, Gelenkkapseln und andere Organkapseln), schützen (z.B.: die Fußsohlen-Sehnenplatte Aponeurosis plantaris), miteinander verbinden (z.B.: Bänder und Sehnen), Lücken füllen und polstern (z.B.: Unterhautfettgewebe) oder dafür sorgen, dass sie problemlos aneinander vorbei gleiten (z.B.: Lungen-, Rippen- und Bauchfell). Auch untereinander sind viele Faszien zu einem körperweiten Netzwerk verbunden. Dieses Netzwerk hält Organe an ihren Plätzen und wirkt wie Stoßdämpfer oder Sicherheitsgurte. Anscheinend dient es auch bestimmten Formen von Kommunikation. Faszien scheinen wichtig für das Immunsystem und die Heilung von Organen zu sein, aber verletzte oder verkrampfte Faszien können auch Schmerzen verursachen. Faszien können nicht nur Kollagen-Fasern, Wasser und Fett enthalten, sondern auch Nerven, Lymph- und Blutgefäße. Deshalb sind Knochenhaut und Knorpelhaut, die ebenfalls zu den Faszien gehören, so schmerzempfindlich. Die den Muskel, jedes Muskelfaserbündel sowie jede einzelne Muskelfaser umgebenden Faszien vereinigen sich zur Sehne und übertragen die Kräfte von den Muskelfasern auf die Sehne. Viele Faszien verfügen über Sensoren für Schmerzen (Nozizeptoren), Bewegungsänderungen (Propriozeptoren), Druckänderungen und Schwingungen (Mechanorezeptoren), chemische Parameter (Chemorezeptoren) oder Temperatur (Thermorezeptoren). Zumindest einige reagieren auch auf äußere Reize. So ziehen sich einige Faszien ähnlich wie die glatte Muskulatur dauerhaft zusammen, was schmerzhaft, aber durch spezielle Massagen (z.B. Rolfing) gelöst werden kann. Werden Faszien zu wenig bewegt oder übermäßig belastet, dann können sie auch wuchern, verfilzen oder sogar reißen und dadurch Schmerzen verursachen.

Felsenbein = Die Pars petrosa bildet auf der Höhe des Ohres einen Teil der Schädelunterseite, umgibt das Innenohr und ragt an dieser Stelle etwas in die Schädelhöhle hinein.

Felsenbeinpyramide = Die Felsenbeinpyramide ist das knöcherne Labyrinth, welches das Innenohr umgibt.

Femtometer = 1,0 x 10-15 Meter

Femur oder Femora nennt man bei Wirbeltieren den Oberschenkelknochen (Os femoris), bei Spinnentieren und Insekten den nach Coxa (Hüfte) und Trochanter (Schenkelring) drittten Teil des Beines, den deutsche Insekten- und Spinnenforscher auch als Schenkel bezeichnen und dem die Tibia folgt.

fenestra = lateinisch Fenster

Fett nennt man ein Molekül, das sich aus einem Glycerin-Molekül und drei daran hängenden Fettsäuren zusammensetzt. Mit Fett kann aber auch das Fettgewebe gemeint sein.

Fettgewebe nennt man hauptsächlich aus Fettzellen bestehendes Gewebe.

Fettsäure nennt man ein Lipid, bei dem an einer Carboxylgruppe ein relativ langkettiger Kohlenwasserstoff hängt. Die folgenden Links führen zu selbst manipulierbaren, dreidimensionalen JSmol-Darstellungen von Palmitinsäure und der Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure.

Fibrae ciliares musculi ciliaris heißen die Muskelfasern des sogenannten Müller-Muskels (Musculus compressor lentis) im Ziliarkörper (Corpus ciliare).

Fibrae meridionales musculi ciliaris heißen die Muskelfasern des sogenannten Brücke-Muskels im Ziliarkörper (Corpus ciliare).

Fibrae zonulares, Zonulafasern oder Linsenbänder heißen die Fasern, welche im Auge die Linse halten und spannen.

Fibrille = eine kleine Faser (z.B. Muskelfaser, aber auch amyloide Fibrillen aus Prionproteinen)

Fibrin = während der Blutgerinnung aus dem löslichen Bluteiweiß Fibrinogen entstehende unlösliche Eiweißfaser

Fibrinogen = im Blut enthaltenes lösliches Eiweiß, welches als Faktor I des Blutgerinnungssystems die Vorstufe des unlöslichen Fibrins darstellt

Fichte heißt ein Nadelbaum, der 400 und 700 Jahre alt werden und bei 40-60 Metern Höhe Stammdurchmesser von bis zu 2 m erreichen kann. Sie ist ein sehr schlanker, oben spitzer Baum. Die Nadeln wachsen an kleinen Stielchen, fallen relativ leicht ab und stechen stärker als die von Tannen. Die Borke ist bei jungen Fichten rötlich-braun und relativ glatt. Bei älteren Fichten wird sie grau und schuppig. Die nach oben stehenden weiblichen Blütezapfen sind purpurrot. Nach der Befruchtung werden sie zu braunen Fruchtzapfen, die im Gegensatz zu Tannenzapfen nach unten hängen. Die rotgelben männlichen Blüten befinden sich in erdbeerartigen Zapfen. Von Natur aus setzt sich die Tanne in Hochgebirgen durch, wo sie teilweise bis hinauf zur Baumgrenze wächst und sich mit ihrer in die Breite wachsenden Wurzel auf felsigem Boden festkrallt. Das langfaserige, weiche, leichte und elastische Holz ist vielfältig nutzbar. Weil die Fichte schon nach 80 Jahren geerntet und mit Gewinn verkauft werden kann, wurde sie in Deutschland an vielen für sie eher ungeeigneten Standorten in so dichten Fichtenmonokultur gepflanzt, dass ihre unteren Äste wegen Lichtmangels früh abstarben und ein weitgehend astfreies Holz hinterließen. Monokulturen sind aber besonders anfällig für massenhafte Vermehrung von Schädlingen wie den Fichtenborkenkäfer. Als Flachwurzler verlieren Fichten außerdem bei Stürmen relativ leicht ihren Halt und stürzen dann manchmal massenhaft um.
Borke einer jungen Fichte Borke einer alten Fichte
Die Bilder der jungen und er alten Fichte hat Gerhard Elsner zur Verfügung gestellt.

Die Fichtenmonokultur oder Fichtenforst heißt ein extremer Wirtschaftswald bzw. Forst, in dem sehr dicht nebeneinander in Reihen Fichten wachsen, die alle gleich alt und groß sind. Geerntet werden Fichtenmonokulturen durch Kahlschlag. Danach wurden sie früher neu gepflanzt, heute jedoch oft durch Mischwälder ersetzt, weil Monokulturen sehr anfällig Borkenkäfer-Befall und Sturmschäden sind. Auch ökologisch sind Fichtenmonokulturen ungünstig, weil sie sehr dunkel und trocken sind und deshalb von nur wenigen Pflanzen- und Tierarten bewohnt werden können.

Filament bedeutet Faser oder Faden. In der Biologie und insbesondere in der Zellbiologie unterscheidet man in Zellen Mikrofilamente mit Durchmessern von nur 6-7 nm, Intermediärfilamente mit Durchmessern von rund 10 nm und Mikrotubuli mit Durchmessern von 20-30 Nanometern. Gemeinsam bilden die Filamente das Zytoskelett.

filamentös = fadenförmig

Flachwurzler nennt man Pflanze, deren Wurzeln sich flach unter der Erdoberfläche ausbreiten.

Flaum nennt man einen sehr weichen und zarten, pelzartigen Überzug aus Haaren, Federn oder Zellen.

Flechten rütteln gleich zweifach an der Definition der Lebewesen, denn erstens nehmen sie in ausgetrocknetem Zustand vom aktiven Leben eine Pause ohne Stoffwechsel und Reaktionsfähigkeit. Zweitens bestehen sie eigentlich aus vielen Lebewesen, die zwei sehr verschiedenen Spezies angehören. Das eine ist ein Pilz, der aus seiner Umwelt Wasser und Mineralstoffe sammelt. Das andere sind entweder Grünalgen oder Blaualgen. Sie leben geschützt in ihrem Pilzpartner und erhalten von ihm Wasser und Mineralstoffe. Dafür geben die Algenpartner dem Pilz von dem Zucker ab, den sie mittels Fotosynthese produzieren. Manche sprechen daher eher von einer Symbiose als von einem Lebewesen namens Flechte. Allerdings wäre dann auch der Mensch kein Lebewesen, sondern eine Vielfachsymbiose eines menschlichen Wirtes mit seinen unverzichtbaren Bakterien-Spezies im Dickdarm und auf der Haut sowie eine Symbiose seiner allein kaum lebensfähigen Zellen mit ihren Mitochondrien.
Flechten auf einem Baumstamm
Roland Heynkes, CC BY-SA 3.0. Das Bild zeigt verschiedene Flechten auf einem Baumstamm.

Fließgleichgewicht nennt man einen Zustand, in dem etwas scheinbar weitgehend unverändert bleibt, obwohl ständig das ausgetauscht wird, woraus es besteht. Der Name, das Bild oder der Vergleich zur Erklärung dieses Phänomens ist das Fließgleichgewicht eines Flusses, der über längere Zeiträume scheinbar weitgehend unverändert, mit relativ geringfüfigen Bewegungen seiner Oberfläche vor einem liegt, obwohl innerhalb von Sekunden das gesamte Wasser des betrachteten, kurzen Flussabschnittes ausgetauscht wird.

Flußsäure = stechend riechende, sehr giftige und ätzende wässrige Lösung von Fluorwasserstoff, die sich ohne größere sichtbare Schäden durch die Haut frisst und dann in der Tiefe die Gewebe und insbesondere auch die Knochen schwer verätzt

Foley-Katheter = nach dem amerikanischen Urologen Foley benannter Dauerkatheter mit einem aufblasbaren Ballon zur Fixierung und Abdichtung kurz vor seiner Spitze, welcher normalerweise zur Ableitung von Urin aus der Harnröhre durch einen Schlauch in einen Auffangbeutel dient.

Fontanelle heißt jede noch nicht geschlossene (zusammengewachsene) Kontaktstelle zwischen mindestens drei Knochenplatten im Schädel eines Säuglings oder Kleinkindes bzw. Jungtieres. Bei gesunden Menschenkindern schließt sich die letzte Fontanelle erst nach rund zwei Jahren.

Formaldehyd = in wässriger Lösung zur Desinfektion und Konservierung verwendetes, stechend riechendes und ätzendes, aber farbloses Gas, welches chemisch ein Aldehyd der Ameisensäure HCOOH ist und technisch durch Oxidation von Methanol CH4 zu H2C=O hergestellt werden kann

Formalin = zur Desinfektion, Fixierung und Konservierung verwendete wässrige Lösung des Formaldehyds (35-40%ige Formaldehydlösung)

Formol = besonders in romanischen Sprachen gebrächliches Synonym für Formalin

Fornix nannten die antiken Römer einen nach oben gewölbten Bogen in einem Gewölbe, Aquädukt oder Fenster, einer Brücke oder Türe. In der Anatomie bezeichnet man so nach oben gewölbte Gewebe-Strukturen.

Fornix cerebri heißt in der Anatomie eine nach oben gewölbte Gewebe-Struktur (Fornix) im Großhehirn (Cerebrum). Genauer gesagt ist der Fornix cerebri ein vom Hippocampus ausgehendes Nervenfaser-Bündel und gehört damit auch zum Limbischen System.

Forschung ist im Gegensatz zur zufälligen Entdeckung die gezielte und planvolle Arbeit an der Klärung offener Fragen. Das kann beispielsweise durch Experimente, Computersimulationen, Literaturarbeit, Ausgrabungen, Umfragen oder Befragungen von Zeitzeugen geschehen.

Forst ist ein anderes Wort für den Wirtschaftswald. Forste dienen hauptsächlich der Holzproduktion.

Förster oder Försterin nennt man den Beruf einer Person mit der Aufgabe, im Auftrag des Waldbesitzers für die Nachhaltigkeit der Nutzung eines Waldes zu sorgen.

Forstwirtschaft nennt man die wirtschaftliche Nutzung des Waldes. Diese Nutzung unterliegt staatlicher Beschränkungen zum Schutz gefährdeter Spezies, der Umwelt, des Grundwassers und der Menschen vor Überschwemmungen oder Lawinen. Beücksichtigt werden muss auch das Recht aller Bürger, wirtschaftlich genutzte Wälder auf geeigneten Wegen zu durchwandern. Und natürlich dürfen Waldbesitzer in Deutschland ihren Wirtschaftswäldern nicht mehr Holz entnehmen, als gleichzeitig nachwächst. Trotzdem dienen Forste hauptsächlich der Holzproduktion.

fortpflanzen = Nachkommen hervorbringen, sich vermehren, sich reproduzieren, womit im übertragenen Sinne auch Wellen gemeint sein können

Fortpflanzung ist das deutsche Wort für den biologischen Fachbegriff Reproduktion und bedeutet Erzeugung von Nachkommen, die wir zumindest bei Menschen Kinder nennen. Fortpflanzung kann sexuell, durch Sprossung, oder bei Einzellern durch Zellteilung geschehen.

Fortpflanzungsorgan nennt man ein Organ, das der ungeschlechtlichen oder der sexuellen Fortpflanzung dient, während Geschlechtsorgane nur der sexuellen Fortpflanzung dienen.

Fossil nennt man einen noch als solchen erkennbaren, mindestens 10.000 Jahre alten Überrest eines Lebewesens. Fossile sind selten, weil die allermeisten toten Lebewesen von den Destruenten einfach vollständig zersetzt werden. Abwertend oder selbstironisch werden manchmal noch lebende Menschen als Fossile bezeichnet, die nicht modern sind. Lebewesen uralter Spezies werden oft lebende Fossile genannt, aber wissenschaftlich bezeichnet man als Fossile nur die Überreste von Lebewesen, die in früheren Erdzeitaltern lebten. Und das jüngste vergangene Erdzeitalter - das Pleistozän - endete vor rund 11.700 Jahren mit dem Ende des letzten Vergletscherung. Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Fossilen. Dazu gehören in Bernstein eingeschlossene Insekten, im sibirischen Dauerfrostboden konservierte Mammuts, Skelette in Höhlen bestatteter Urmenschen, versteinerte Sauerierknochen oder zu Kohle gewordene Pflanzenreste. Fossilien können aber auch in ganz tiefen, sauerstofffreien Schichten von Mooren, in Teerblasen oder in seit Urzeiten staubtrockenen Wüsten erhalten geblieben sein. Manche zählen zu den Fossilien sogar versteinerte Fußabdrücke von Dinosauriern. Vielleicht hat man ältere Fossilien nur (noch) nicht gefunden, aber die der Wissenschaft zur Verfügung stehenden Fossilien scheinen zu belegen, dass es kleine Urfische als erste oder zumindest frühe Wirbeltiere vor mindestens 500 Millionen Jahren und einfach gebaute Landpflanzen vor mindestens 440 Millionen Jahren gab. Insekten soll es seit ungefähr 410 Millionen Jahren geben. Vor 355-290 Millionen Jahren sollen üppige Wälder in so sumpfigen Gegenden gewachsen sein, dass die toten Pflanzen nicht zersetzt wurden und im Laufe der Zeit unter hohem Druck und bei relativ hohen Temperaturen Steinkohle bildeten. Die ältesten, nur mausgroßen Säugetier-Fossilien sollen rund 200 Millionen Jahre alt sein. Blütenpflanzen wurden erst in ungefähr 130 Millionen Jahre alten Mineralen gefunden. Ihre heutige Vielfalt und Größe konnten Säugetiere aber erst entwickeln, nachdem vor rund 65 Millionen Jahren vermutlich ein Meteoriteneinschlag an der Küste der Halbinsel Yucatan im Golf von Mexiko mit dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit auch alle großen Saurier aussterben ließ. Die Stammesgeschichte des Menschen wird in Biologiebüchern so dargestellt, als ob sie bekannt wäre. Das ist aber keineswegs der Fall. Wissen kann man heute eigentlich nur, dass die Geschichte der Erforschung unserer Stammesgeschichte eine Geschichte grandioser Irrtümer ist. Bis vor wenigen Jahren gab es auf diesem Forschungsgebiet mehr Forscher als Fossilien und mit fast jedem Fund wurde unsere vermeintliche Stammesgeschichte neu geschrieben. Diese Kaffeesatzleserei zu verfolgen und zu unterrichten, halte ich für ziemlich sinnlos. Neuere genetische Untersuchungen heutiger und ausgestorbener Menschenrassen sowie noch laufende Ausgrabungen in südafrikanischen Höhlen haben allerdings einige interessante Erkenntnisse gebracht. Eine der weltweit bekanntesten Fossilien-Fundstätten ist in Deutschland die Grube Messel bei Frankfurt am Main. In ihr wurden zahlreiche versteinerte Überreste von Lebewesen gefunden, die vor geschätzt 49 Millionen Jahren in einen tropischen See fielen und mangels Sauerstoff nicht vollständig verwesten.

fossil = Adjektiv mit der Bedeutung nicht rezent, also nicht zur heutigen Zeit, dem aktuellen Zeitalter gehörend. In diesem Sinne nennt man nicht nur Überreste von Lebewesen wie die fossilen Energieträger Torf, Kohle, Erdöl und Gas fossil, sondern spricht beispielsweise auch von fossilem Wasser (sehr altem Tiefengrundwasser). Genetiker sprechen auch von fossilen Genen im Genom einer Spezies. Damit sind Gene gemeint, die aufgrund destruktiver Mutationen schon lange nicht mehr funktionieren, in ihrer defekten Form aber noch im Genom erhalten blieben. Sie können durch weitere Mutationen plötzlich wieder brauchbare neue Eiweiße oder RNAs codieren.

fossile Brennstoffe = in früheren Erdzeitaltern (vor mehr als 10.000 Jahren) entstandene Brennstoffe

Fotosynthese ist der in Cyanobakterien, pflanzlichen Einzellern und Pflanzen stattfindende Prozess, der mit Hilfe des grünen Farbstoffs Chlorophyll die Strahlungsenergie von Licht nutzt, um aus den energiearmen Ausgangsstoffen Wasser und Kohlenstoffdioxid den energiereichen Traubenzucker und Sauerstoff zu machen.

Fötus nennen wir einen menschlichen Embryo ab der 9. Woche bis zur Geburt, während alles in ihm nur noch größer wird.

Follikel nennt man in den biomedizinischen Fachsprachen eine Hülle, also eine beutelförmige Struktur.

Fovea centralis heißt eine im Zentrum des gelben Flecks (Macula lutea) gelegene Einsenkung, deren Durchmesser bei Menschen etwa 1,5 mm misst. Die Fovea centralis ist bei Säugetieren der Bereich des schärfsten Sehens der Retina. Das gilt aber nur tagsüber, weil wir dort nur Zapfen besitzen, die zwar Farbensehen ermöglichen, dafür aber viel Licht benötigen. Was auch immer wir tagsüber scharf sehen wollen, fixieren wir mit der Fovea centralis.

Fragment nennen wir ein Teil oder Bruchstück von einem Ganzen, das zerstört oder nie fertig wurde.

Fremdbestäubung nennen Botaniker eine Bestäubung durch Pollen einer anderen Pflanze.

Frequenz nennt man eine physikalische Größe, die angibt, wie oft sich etwas (z.B. Herzschläge) in einem bestimmten Zeitraum (z.B. pro Minute) wiederholt.

Fressfeind nennt man eine Spezies, die eine andere Spezies auf dem Speisezettel hat.

Fresszellen sind weiße Blutzellen, die tote Zellen und in den Körper eingedrungene Krankheitserreger durch Auffressen bekämpfen. Zusätzlich können Fresszellen zur Aktivierung des spezifischen Teils des Immunsystems Bruchstücke (Peptide) von Krankheitserregern auf MHC-2-Präsentiertellern präsentieren. Das ist aber nicht die Hauptaufgabe unserer "professionellen" Fresszellen, zu denen die Makrophagen und neutrophile Granulozyten zählen. Sie besitzen spezielle Lysosomen, die mit Phagosomen fusionieren. Sie enthalten hochreaktive Superoxyd- und Hypochlorit-Moleküle (ClO-) sowie ein konzentriertes Gemisch lysosomaler Hydrolasen, die phagocytierte Mikroorganismen zerstören. Aufgrund ihrer Größe können Makrophagen auch tote Zellen und große Protozoen fressen. Die hauptsächlich auf die Aktivierung von T-Lymphozyten spezialisierten Fresszellen heißen Antigen präsentierende Zellen und zu ihnen gehören die dendritischen Zellen.

Freund Adjuvans = Vom amerikanischen Pathologen Freund entwickeltes Gemisch aus abgetöteten Tuberkulosebakterien, Parafinöl und einem Emulgator zur Stimulation von Immunrekationen und insbesondere zur Verstärkung der Antikörperproduktion gegen gleichzeitig verabreichte Antigene.

Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit ist aufgrund des dritten Gesetzes zur Änderung des Tierseuchengesetzes vom 22. Juni 2004, BGBl I Nr. 29 vom 25. Juni 2004, S. 1248 der neue Name der BFAV.

Frontallappen nennt man den Stirnlappen einer Endhirn-Hemisphäre. Ganz vereinfacht kann man dem vorderen Teil des Stirnlappens stimmungs- und motivationsbezogene Aufgaben, vielleicht auch ethische Kontrolle zuordnen. Im mittleren Bereich des Frontallappens sollen komplexe Bewegungsabläufe beispielsweise für das Sprechen oder Schreiben gespeichert sein. An der Grenze zum Scheitellappen (Parietallappen) befinden sich unter anderem große, Pyramidenzellen genannte, Neuronen, deren Axone als sogenannte Pyramidenbahn ohne Umschaltung direkt zu verschiedenen Segmenten des Rückenmarks ziehen, welche ihrerseits Muskeln des Körpers aktivieren.

Frontallappen in einem rotierenden Modell eines menschlichen Hirns nach oben
rotierendes Hirn-Modell
BodyParts3D, The Database Center for Life Science, CC-BY-SA-2.1-jp
Dieses rotierende Modell eines menschlichen Hirns hebt den linken Frontallappen rot hervor. Es fehlt das rechte Großhirn.

Frucht nennen Botaniker den oder die in einer Blüte entstandenen Samen einer Samenpflanze mit den oder die Samen umgebenden Geweben, die sich aus anderen Teilen der Blüte entwickelt haben.

Fruchtblatt nennen Botaniker das Organ der Blüte, das die weiblichen Samenanlagen trägt. Es ist also ein Megasporophyll. Bei den Bedecktsamern bilden Fruchtblätter die Stempel. Später bilden Fruchtblätter und andere Blütenteile die Frucht.

Fruchtknoten nennt man in der Blüte einer Blütenpflanze den bauchigen Teil des Stempels. Der Fruchtknoten umgibt die Samenanlage mit den Eizellen. Nach der Befruchtung der Eizellen bildet oft der Fruchtknoten einen Großteil der Frucht.

Fruchtkörper nennen Biologen die Fortpflanzungsorgane mehrzelliger Pilze. Sie sind normalerweise das einzige, was man von einem Pilz sieht und werden deshalb meistens als Pilze bezeichnet, obwohl sie nur kleine Teile eines Pilzes sind. Sie bestehen aus verzweigten, mehr oder weniger miteinander verwachsenen Hyphen. An durch Pilzhüte oder Hüllen geschützten Stellen bilden besondere (generative) Hyphen Strukturen, die Sporen (Meiosporen) für die geschlechtliche Vermehrung produzieren. Vergleicht man Pilze mit Blütenpflanzen, so entsprechen die Fruchtkörper der Pilze den Blüten der Blütenpflanze.

Fructose, Fruktose oder Fruchtzucker nennt man einen vor allem in Früchten vorkommendes Monosaccharid mit 6 C-Atomen und der Formel: H2COH-CO-HCOH-HCOH-HCOH-HCOH2.

Frühblüher sind Kräuter, die nur im Frühjahr wachsen und blühen. Wenn im Sommer die Buchenblätter das Sonnenlicht abfangen, sterben die oberirdischen Teile der Frühblüher ab und bis zum nächsten Frühjahr überdauern sie nur in ihren dicken, als Speicherorgane fungierenden Wurzeln.

FSA = Food Standards Agency, die unabhängige, seit 1999 für Lebensmittelsicherheit zuständige britische Behörde

FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) oder Follitropin heißt ein bei beiden menschlichen Geschlechtern in bestimmten Zellen des Vorderlappens der Hypophyse (Adenohypophyse) gebildetes Sexualhormon (Gonadotropin) im weiteren Sinne. Als Sexualhormon kann man es bezeichnen, weil es Anteil an der Entwicklung der Geschlechtsorgane und Geschlechtsmerkmale sowie an der Steuerung der Sexualfunktionen hat. Es ist aber nur ein Sexualhormon im weiteren Sinne, weil es nicht von einem Geschlechtsorgan, sondern von der Adenohypophyse gebildet wird. Für ein Hormon ist FSH ausgesprochen groß und und komplex aufgebaut. Es besteht aus zwei Untereinheiten (alpha und beta), bei denen es sich auch noch um Glykoproteine handelt. Glykoproteine sind Proteine, an die als sogenannte Liganden Zucker-Moleküle gebunden sind. Wenn der Hypothalamus das Freisetzungshormon namens Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) ausschüttet, dann bewirkt dies in der Hypophyse die Ausschüttung des FSH. FSH wird insbesondere in den ersten 14 Tagen des weiblichen Zyklus ausgeschüttet und fördert in den Eierstöcken die Reifung von Eibläschen (Follikeln) bis zum Eisprung. In den Follikeln fördert FSH die Produktion von Östrogenen. Bei Männern fördert FSH in den Hoden die Spermienbildung.

Schema des aus zwei Peptiden bestehenden Follikel-stimulierenden Proteins (1FL7)
FSH 1FL7
Roland Heynkes, CC BY-SA-4.0 (Anklicken des Bildes führt zu einem 3D-Modell.)
Das Bild zeigt das aus zwei großen Peptiden oder kleinen Proteinen bestehende Follikel-stimulierende Protein des Menschen. Die aus 92 Aminosäuren bestehende rote Kette ist die alpha-Untereinheit, die hellbraune Kette aus 111 Aminosäuren stellt die beta-Untereinheit dar. Außerdem sieht man als Liganden Phosphorsäure mit gelbem Phosphor und roten Sauerstoff-Atomen sowie drei Kohlenhydrat-Liganden mit grauen Kohlenstoff-Atomen. Die auf Chromosom 6 codierte alpha-Untereinheit ist auch Bestandteil der Hormone hCG (humanes Choriongonadotropin), LH (luteinisierendes Hormon) und TSH (Thyreotropin), während die auf Chromosom 11 codierte beta-Untereinheit spezifisch für FSH ist.

Fukose (auch Fucose oder englisch fucose) heißt chemisch Methylpentose (ein methylierter Desoxyzucker) oder 6-Desoxy-L-Galaktose, wird aus Fructose-6-phosphat biosynthetisiert und kommt u.a. auf Glykoproteinen vor.

fungieren = eine bestimmte Aufgabe haben, zu etwas da sein, eine bestimmte Funktion ausüben sollen (was aber nicht unbedingt funktionieren muss)

Funktion nennen Biologen (im Gegensatz zu Mathematikern) eine Aufgabe oder Wirkungsweise einer strukturellen Einheit (z.B.: eine funktionelle Gruppe, ein Enzym, ein Organell, eine Zelle oder ein Organ) oder eine Rolle, die beispielsweise eine Spezies in einem Ökosystem spielt. In der Mathematik ordnet eine (mathematische) Funktion f durch eine Rechenvorschrift (Formel) jedem Element x einer Definitionsmenge D genau ein Element y einer Zielmenge Z zu.

funktionieren = bei Bedarf eine planmäßige Funktion tatsächlich erfolgreich erfüllen

Funktionelle Einheit nennt man ein aus mehreren Teilen bestehendes Ganzes, das nur als Ganzes eine bestimmte Funktion erfüllen kann.

Funktionelle Gruppe nennt man insbesondere in der organischen Chemie Atomgruppen, welche die Stoff-Eigenschaften und das Reaktionsverhalten des Gesamtmoleküls beeinflussen. Wichtige Beispiele sind die Hydroxylgruppe, die Aminogruppe, die Carboxylgruppe, die Carbonylgruppe, die Aldehydgruppe und die Ketogruppe.

funktionsfähig = fähig zur Erfüllung einer Funktion, ohne das diese aktuell erfüllt wird

Furchung heißt der Spezialfall einer embryonalen Zellteilung bei vielzelligen Tieren durch sogenannte Abschnürung. Damit ist gemeint, dass nach der ersten Zellteilung einer Zygote (befruchtete Eizellen) und auch nach den folgenden, ungefähr synchron verlaufenden Zellteilungen der frühen Embryogenese (Embryonalentwicklung) die Tochterzellen nicht wachsen, sondern sich gleich nach der Kernteilung wieder teilen. Deshalb vergrößert sich der Embryo anfangs nicht, sondern die Tochterzellen werden immer kleiner. Das Ergebnis der Furchungen ist die Morula. Die bei den Furchungen entstandenen Zellen nennt man Blastomere.

Fusion = Vereinigung, Verschmelzung, Zusammenschluss

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Roland Heynkes, CC BY-SA-4.0