Lerntext Lernen

Roland Heynkes, 8.6.2018

Gliederung

zum Text Mensch sein heißt vor allem Lernen.
zum Text Tricks zur Verbesserung unserer Lern- und Erinnerungsfähigkeit
zum Text Wissen aktiv zu erarbeiten ist besser als sich passiv unterrichten zu lassen.
zum Text Unser unflexibles Schulsystem behindert das Lernen.
zum Text Das neue Verständnis der Hirnforscher sollte Folgen für das Lernen in Schulen haben.
zum Text vertiefende Hypertexte zum Thema Lernen
zum Text

Mensch sein heißt vor allem Lernen. nach oben

Menschen lernen nicht nur in der Schule, sondern immer. Gesunde Menschen können nicht anders und wollen ständig lernen. Wir lernen sogar beim Essen und in unseren Träumen. Und meistens lernen wir außerhalb der Schule besser, weil wir in der Schule selten das lernen, was uns gerade wirklich interessiert. Besonders gut lernen wir, wenn wir uns auf eigenen Wunsch von Freunden etwas erklären lassen oder wenn wir es uns selbst erarbeiten. Das menschliche Gehirn besitzt sogar ein Belohnungssystem, das uns mit Glücksgefühlen belohnt, wenn wir beginnen eine schwierige Aufgabe zu lösen.

Tricks zur Verbesserung unserer Lern- und Erinnerungsfähigkeit nach oben

Wenn wir etwas lernen müssen oder vom Verstand her wollen, dann müssen wir uns auch gefühlsmäßig davon überzeugen. Je mehr wir uns dafür begeistern, umso leichter lernen wir. Dabei müssen wir uns nicht unbedingt für die Sache selbst interessieren. Sollte uns ein Lernstoff auch beim besten Willen überhaupt nicht interessieren, dann müssen wir eben das Lernen als quasi sportliche Herausforderung annehmen und uns für die Steigerung der Leistungsfähigkeit unseres Gehirns begeistern. Genau das tun Gedächtnissportler, die sich so uninteressante Dinge wie die genaue Reihenfolge der Karten eines Kartenspiels merken.

Wir müssen Gelerntes rechtzeitig wiederholen, bevor wir es vergessen haben. Je öfter wir etwas schon wiederholt haben, desto länger können wir es uns merken. Deshalb müssen wir anfangs mit kürzeren und später mit immer längeren Abständen wiederholen. Manche Menschen brauchen nur wenige Wiederholungen und schaffen es mit größeren Abständen, andere müssen häufiger und mit kürzeren Abständen wiederholen. Manches können wir uns sehr leicht und im Extremfall sogar ohne bewußte Wiederholung merken. Andere Dinge müssen wir viel früher, öfter und mit kürzeren Abständen wiederholen, um sie nicht schnell wieder zu vergessen.

Wir können und müssen unser Gedächtnis auch trainieren. Wir dürfen uns nicht damit abfinden, uns bestimmte Dinge eben einfach nicht merken zu können. Übung macht den Meister! Das gilt sogar für Menschen mit kranken oder verletzten oder durch eine Chemotherapie geschädigten Gehirnen und natürlich erst recht für Menschen mit einem gesunden Gehirn.

Damit unser Gehirn gut lernen kann, braucht es möglichst bald nach dem Lernen einen kurzen Mittagsschlaf (20-30 Minuten) und ausreichenden Nachtschlaf mit Traum- und Tiefschlafphasen. Sieht man zwischen dem Lernen und dem Schlafen schnell noch einen schockierenden Horrorfilm, dann hätte man sich das Lernen sparen können.

Hart arbeitende Muskeln geben Botenstoffe ins Blut ab, die im Gehirn neue Nervenzellen entstehen lassen. Wenn wir diese neuen Nervenzellen auch benutzen, dann wächst unser Gehirn. Aber keine Sorge - der Schädel muss dafür nicht wachsen, denn wir haben im Gehirn noch genügend Holhräume. Damit das Muskeltraining aber auch auf den Muskel positiv wirkt, sollte jeder Muskel nur alle 2-3 Tage trainiert werden. Auch regelmäßiger Ausdauersport und Gleichgewichtsübungen sind gut für das Gehirn.

Beim Lernen sollten wir weder hungrig noch überfressen sein und die Luft sollte noch möglichst viel Sauerstoff enthalten. Traubenzucker kann einem ausgehungerten Gehirn leider nur für ganz kurze Zeit wieder auf die Sprünge helfen, weil die Bauchspeicheldrüse auf den plötzlichen Anstieg der Glucose-Konzentration im Blut mit der Ausschüttung von Insulin reagiert, das durch verstärkte Aufnahme des Zuckers in Zellen die Blutzucker-Konzentration schnell wieder senkt. Wichtig für das Gehirn ist auch, dass man ausreichend trinkt und sich zwischendurch immer mal wieder bewegt.

Beim Lernen sollte man sich durch nichts ablenken lassen, was irgendwie unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken könnte.

Multitasking schadet dem Gehirn. Multitasking beherrscht das menschliche Gehirn nämlich nur bei unbewussten oder automatisierten Tätigkeiten wie der Regulation von Herzschlag und Verdauung oder dem Radfahren. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Fähigkeit zum Multitasking bei bewussten Tätigkeiten schlechter wird, wenn man sie sozusagen trainiert. Auf die Dauer kann man sich immer schlechter auf eine Sache konzentrieren und man kann sogar immer schlechter mehrere Dinge gleichzeitig erledigen, wenn man beispielsweise häufig während der Arbeit an den Hausaufgaben gleichzeitig den Fernseher laufen lässt, zwischendurch noch regelmäßig sein e-mail-Postfach kontrolliert und nach neuen Nachrichten in Facebook schaut. Jedesmal, wenn man sich zwischendurch mit etwas Anderem beschäftigt, leert sich im Kurzzeitgedächtnis der Arbeitsspeicher, indem wir uns für kurze Zeit die wenigen Dinge merken, die wir gerade für die Lösung einer Aufgabe wissen müssen. Nach jeder kurzen Ablenkung von dieser Aufgabe müssen wir erst wieder diesen Arbeitsspeicher füllen und verlieren dadurch wertvolle Zeit.

Lernen sollte man außerdem möglichst stressfrei, denn Angst, Selbstzweifel und Druck schwächen deutlich das Gedächtnis und können sogar das Gehirn schädigen.

Wissen aktiv zu erarbeiten ist besser als sich passiv unterrichten zu lassen. nach oben

Gute Lehrer können im Frontalunterricht (darstellend-entwickelnde Methode) Interesse an vermeintlich uninteressanten Themen wecken. Durch fragend-entwickelnden Unterricht oder Arbeitsblätter können sie Wissen erarbeiten oder festigen lassen sowie naturwissenschaftliches Denken fördern. Das Lernen mit Lehrern hat außerdem gegenüber Selbststudium ohne Anleitung den Vorteil, dass erfahrene Lehrer viel besser als junge Lernende gute von schlechten Quellen und Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können. Lehrer können Lernenden helfen, ihr Wissen in größere Zusammenhänge einzuordnen und die richtigen Fragen zu stellen.

Der klassische lehrerzentrierte Unterricht ist aber auch mit gravierenden Problemen verbunden, für die Lösungen gefunden werden müssen:

Aktives Selberlernen hat den Vorteil einer motivierteren und intensiveren Beschäftigung mit Inhalten, die dadurch effektiver ins Langzeitgedächtnis gelangen. Außerdem ist es die Voraussetzung für ein Lernen mit individuellen Lerntempi. Das ist umso wichtiger, je heterogener unsere Schulklassen werden.

Der theoretische Vorteil individueller Lerntempi kommt allerdings nur zum Tragen, wenn Lernende lernen und ihre Potentiale ausschöpfen wollen. Und das ist nach meiner Erfahrung nur bei wenigen Kindern und Jugendlichen der Fall, wenn sie nicht aus intakten, Bildung vorlebenden Elternhäusern stammen und vom ersten Schuljahr an selbständiges Lernen wie in Montessori-Grundschulen gewöhnt sind. Besonders während der Pubertät haben die meisten Jugendlichen ganz anderes im Kopf und können der mit jeder Freiheit verbundenen Verantwortung nicht gerecht werden. Allzu oft siegt bei ihnen der innere Schweinehund der Faulheit, wenn sie nicht unter dem äußeren Druck von Klassenarbeiten, schlechten Noten, gefährdeten Versetzungen und alarmierten Eltern stehen. Der damit verbundene Stress ist allerdings gleichzeitig motivierend und hinderlich, weil Stress das Lernen behindert und sogar das Gehirn schädigt.

Für eher lähmenden Stress sehe ich hauptsächlich zwei Gründe. Der erste ist die für schwächere Lernende oft nicht ausreichende Vorbereitungszeit, weil Klassenarbeiten von ganzen Klassen am selben Tag geschrieben werden. Der zweite sind die vergleichenden Noten, die normalerweise einen Teil der Klasse zu Versagern abstempeln. Beides verursacht Angst, die sich schnell zu einer generellen Angst vor dem Lernen und der Schule auswachsen kann. Wie bei den Führerscheinprüfungen sollten deshalb Klausuren durch für alle Lernende gleiche Prüfungen ersetzt werden, zu denen sich Lernende anmelden, wenn sie sich vorbereitet fühlen. Und im Gegensatz zu Klausuren sollten nicht bestandene Prüfungen wiederholt werden können, bis sie schließlich bestanden werden. An die Stelle der Angst vor schlechten Noten träte so die Motivation, Prüfungen so schnell wie stressfrei möglich zu bestehen.

Gegenüber Noten haben Bescheinigungen für bestandene Prüfungen den Nachteil, dass es Scheine nicht für Fleiß und andere Tugenden gibt, sondern nur für Können. Das macht bestandene Prüfungen aber auch wesentlich vergleichbarer und relevanter als Noten.

Völlig freies Lernen durch selbständiges Recherchieren im Internet überfordert Kinder und Jugendliche, schon weil sie die Brauchbarkeit der Quellen noch nicht beurteilen können. Leider sind im Fach Biologie auch alle mir bekannten Schulbücher als Selbstlernmaterial unbrauchbar, weil selbst Neuauflagen veraltet und voller Fehler sind, die das Denken und Lernen der Lernenden behindern und in falsche Richtungen lenken.

Aktives Selberlernen funktioniert nur mit passendem Selbstlernmaterial. Vor allem dafür habe ich meine Lerntexte verfasst. Aber auch zur Wiederholung und Ergänzung klassischen Unterrichts und zum Nacharbeiten verpasster Inhalte erarbeite ich eigene Lerntexte. Und damit Lernende dabei auch wie vom Kernlehrplan verlangt die biologische Schulfachsprache lernen, verwende ich in meinen Lerntexten die üblichen Fachbegriffe und erkläre sie in einem Glossar. Selbstlernmaterial findet man unter anderem in meinem buchunabhängigen Lerntexten sowie in den Dokumentationen. Aber Andere können das zumindest technisch viel besser als ich. Deren Animationen und Lernvideos sind zwar nicht so genau auf meine Klassen und Kurse zugeschnitten, aber besonders für Interessierte bieten sie wunderbare Möglichkeiten für vertiefendes Selbststudium. Deshalb liefern einige meiner Lerntexte Links zu interessanten Internetseiten zum Selberlernen. Leider fehlt mir die Zeit, aktiv nach gutem Selbstlernmatierial im Internet zu suchen. Darum lohnt sich das Selbersuchen für interessierte Lernende. Und ich wäre dankbar für entsprechende Hinweise.

Unser unflexibles Schulsystem behindert das Lernen. nach oben

Viele denken beim Thema Lernen automatisch an Unterricht, Schule, Noten und Stress. Schule ist aber nur ein und leider zumindest nicht immer für Jeden der beste Lernort. Und Unterricht ist nicht für Alle die beste Art zu lernen. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

Lernende müsse aber nicht alle Zumutungen unseres Schulsystems passiv über sich ergehen lassen. Anstatt abzuschalten, sollten Lernende sofort im Unterricht nachfragen, wenn sie etwas nicht verstehen. Wenn sie zum Lernen bestimmte Hilfen brauchen, sollten sie darum bitten. Das NRW-Schulgesetz erlaubt Lernenden eine gewisse Mitwirkung bei der Gestaltung des Lernortes Schule. Und der Einfluß von Eltern auf Schule und Schulpolitik ist sehr viel größer, als es sich die meisten vorstellen können. Man muss sich nur mal aufraffen und trauen, anstatt nur zu jammern und zu schimpfen.

Lernende müssen ihr selbstbestimmtes Lernen aber nicht am Schultor aufgeben. Mit Fragen, Vorschlägen und Diskussionen können sie den Unterricht mitgestalten. Durch gute Vorbereitung und rechtzeitige Wiederholung können sie ihn besser nutzen. Und engagierte Lernende können Lehrende motivieren, mehr Freiräume für selbständiges Lernen zu lassen. In vielen Schulen sind die Lehrkräfte schon von sich aus aktiv geworden und erproben alternative Methoden. Es gibt sogar schon erste Schulen mit flexiblem Unterrichtsbeginn und wo sich Lernende die für sie passenden Lehrenden aussuchen können.

Das neue Verständnis der Hirnforscher sollte Folgen für das Lernen in Schulen haben. nach oben

Früher haben Lehrer, Eltern und Schüler geglaubt, unterschiedliche schulische Erfolge ließen sich hauptsächlich mit unterschiedlichen Begabungen oder mit einer Diskriminierung von Schülern aus armen und/oder bildungsfernen Elternhäusern erklären. Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass die erfolgreicheren Schüler einfach mehr Stunden gelernt haben, weil ihre Eltern schon ganz früh mit ihnen Kinderbücher gelesen und ihnen die Welt erklärt haben, weil sie ein eigenes Zimmer mit Schreibtisch und Bücherregal haben, weil sie von ihren Eltern ständig zum Lernen motiviert werden und weil sie notfalls Nachhilfe-Unterricht bekommen oder auf eine teure Privatschule wechseln, anstatt einfach auf eine weniger anspruchsvolle Schule abgeschoben zu werden. Das bedeutet aber auch, dass sich Fleiß fast immer lohnt und die angeblich fehlende Begabung selten als Ausrede taugt. Zwar gibt es selbstverständlich auch genetische und sogar vorgeburtliche Einflüsse, aber der Einfluss des Übens auf den Lernerfolg ist größer als der Einfluss der Begabung. Fehlende Begabung ist fast nie das Problem, sondern Faulheit, Desinteresse oder große persönliche Probleme.

Früher hat man Schüler mit Schwierigkeiten in mehreren Fächern vom Gymnasium zur Realschule oder von der Realschule zur Hauptschule geschickt, weil man den Verbleib auf der anspruchsvolleren Schule für eine sinnlose Überforderung der "Problemschüler" hielt. Auch viele Schüler haben so gedacht und wollten oft selbst diesen Schulwechsel und eher praktische Berufe. Heute wissen zumindest Hirnforscher, dass zusätzliches Üben die bessere Alternative wäre. Nichts gegen handwerkliche Berufe, aber mit Selbstlernmaterial, Nachhilfelehrern oder Förderangeboten der Schulen könnten sich Schüler auch in ihren Problemfächern stark verbessern. Übrigens beweisen reiche und an Bildung besonders interessierte Familien Jahr für Jahr, dass Schüler bei gleicher Begabung durch Nachhilfe und Förderung durch die Eltern erheblich erfolgreicher abschneiden.

Noch heute halten es viele Lehrer, Eltern und sogar Schüler für eine gute Idee, Schüler nach bisherigen schulischen Leistungen zu sortieren und dann in vermeintlich homogenen Klassen alle im gleichen Tempo lernen zu lassen. Dabei bedeutet die Plastizität des menschlichen Gehirns, dass dadurch die Hirnentwicklung der besseren Schüler durch Unterforderung ausgebremst wird, während die Gehirne der überforderten Schüler durch Stress und Entmutigung sogar geschädigt werden. Dabei könnten alle Lernenden intelligenter, lernfreudiger, gelehrter und kreativer werden, wenn Jede und Jeder auf dem eigenen Lernstand und im eigenen Lerntempo und möglichst sogar den Stoff lernen dürfte, für den sie sich gerade besonders interessieren. Auf Montessori- und ähnlichen Reform-Schulen ist das auch möglich und hat sogar den zusätzlichen Vorteil, dass die Schüler selbständiger und eigenständiger zu Lernen lernen und seltener die Freude am Lernen verlieren. Das ist allerdings nur möglich, wenn die Schulen nicht durch Schulpolitiker dazu gezwungen werden, alle Schüler einer Klasse am selben Tag die selbe Klausur schreiben zu lassen.

Heute versucht eine dumme Schulpolitik, Gerechtigkeit dadurch herzustellen, dass man alle Schüler nach möglichst exakt gleichen Kriterien benotet. Dieser Ansatz ignoriert die große Unterschiedlichkeit der Menschen und bestraft beispielsweise Migrantenkinder mit schlechten Noten dafür, dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Andererseits werden Kinder mit guten Noten dafür belohnt, dass sie von ihren Eltern besser gefördert wurden und an ihren eigenen Schreibtischen besser arbeiten können. Das ist nicht nur ungerecht und diskriminierend, sondern es demotiviert die besten und die schwächsten Schüler, weil die einen zu viel und die anderen zu wenig Anerkennung für ihre eigenen Anstrengungen erhalten.

Schulen sollten die Ergebnisse der Chronobiologie beachten. Pubertierende sind von Natur aus Spätaufsteher, die man nicht zu früh in die Schule zwingen sollte, weil sie morgens um 8:00 Uhr auch bei bestem Willen nicht aufnahmefähig sind. Während des natürlichen Mittagstiefs sollten Schüler ausruhen können, damit sie nachmittags wieder leistungsfähig sind. Im Winter macht bläuliche Beleuchtung im Klassenraum die Lernenden wacher und leistungsfähiger.

Neuere Ergebnisse der Hirnforschung zeigen, dass menschliche Gehirne bei jedem Schulfachwechsel bis zu 15 Minuten brauchen, um die gespeicherten Fakten des neuen Faches im Gedächtnis abrufbar zu machen. Lehrer sollten das Problem berücksichtigen, wenn sie den Unterricht mit einer Wiederholungsphase beginnen. Schulen sollten versuchen, die Zahl der täglichen Schulfachwechsel auf ein unvermeidbares Minimum zu reduzieren. Dies spräche für das Doppelstundenprinzip. Gegen das Doppelstundenprinzip spricht aber in Nebenfächern die Notwendigkeit, die Abstände zwischen den Unterrichtseinheiten in einem Fach möglichst kurz zu halten, damit die Lernenden in der Zwischenzeit nicht zuviel vergessen. Es ist nicht effektiv, wenn ein Fach höchstens einmal pro Woche unterrichtet wird. Besser wäre es, Nebenfächer in relativ kurzen, intensiven Episoden zu unterrichten. Und noch effektiver ist es, wenn sich die Lernenden den Stoff ohne störende Fächerwechsel allein oder in kleinen Gruppen mit Freunden in Phasen intensiver Projektarbeit selbst erarbeiten, bis sie ihn so beherrschen, dass sie alle notwendigen Fakten kennen, diese zu sinnvollen und dadurch leichter merkbaren Zusammenhängen verknüpfen, eigene Einsichten gewinnen, das Gelernte in Übungen anwenden und schließlich das Thema mit einer Prüfung abschließen können. Danach muss man das intensiv Gelernte nur noch selten wiederholen und kann sich ebenso konzentriert dem nächsten Thema zuwenden. Lernen braucht Zeit. Man muss das Gelernte wiederholt anwenden, um es zu sichern.

Entscheidend für erfolgreiches Lernen ist auch die Motivation. Viele Schüler sind derart uninteressiert, dass sie im Unterricht nicht zuhören und zuhause nicht wiederholen. Aber selbst wenn Schüler etwas zu lernen versuchen, fällt ihnen das schwer, wenn sie es nur aus Pflichtbewußtsein oder wegen der Noten tun und nicht aus Neugier. Wenn es Lehrenden gelingt, bei den Lernenden Neugier zu wecken oder sie für eine Herausforderung zu interessieren, dann schütten in diesen spezielle Nervenzellen an bestimmten Stellen des Gehirns den Botenstoff Dopamin aus und steigern dadurch die Lern- und Merkfähigkeit. Wird so eine schwierige Aufgabe erfolgreich gelöst, dann wird das Belohnungszentrum aktiviert und die zukünftige Anstrengungsbereitschaft gesteigert. Umgekehrt kann die Motivation von Schülern aber auch verloren gehen, wenn Lehrer zu geringe oder zu hohe Anforderungen stellen oder wenn es Lehrenden nicht gelingt, Lernenden die Angst vor Fehlern zu nehmen. Für Lehrende ist die Förderung der Motivation eine sehr schwierige Aufgabe und weil in Klassen niemals alle Schüler gleich leistungsfähig sind, ist es praktisch unmöglich, für alle Schüler den goldenen Mittelweg zwischen Unter- und Überforderung zu finden. Solange wir Klassen unterrichten anstatt einzelne Lernende in ihren Tempi selber lernen zu lassen, können Lehrer die schwächsten und die besten Schüler nicht durch passende Anforderungen motivieren. Sie können dann nur noch versuchen, durch ein besonders freundliches Auftreten zu retten, was zu retten ist. Denn nicht selten werden Lernende einfach dadurch motiviert, dass sie die Unterrichtenden mögen.

Selbst wenn Lehrer und Schulen alles richtig machen, lassen sich nicht alle Schüler für die Schule und das Lernen interessieren. Die Schule und das Lernen verlieren einfach an Bedeutung, wenn sich die Eltern scheiden lassen oder die Pubertät große Probleme verursacht. Dann stellt sich die Frage nach dem Sinn des Unterrichts und der Schulpflicht. Unser Schulsystem sollte wenigstens solchen Jugendlichen eine Auszeit von der Schule gönnen, bis sie wieder aufnahmefähig sind. könnte Man an schulischem Lernen nicht interessierte Jugendliche mit ihren Qualifikationen entsprechenden Arbeiten und Löhnen in der Wirtschaft Geld verdienen lassen, bis sie reifer geworden sind und den Wert von Bildung erkennen. Anstatt lernunwillige Pubertierende ohne nennenswerte Erfolgsaussichten in Schulen zu zwingen, sollte man lieber die Schulen auch für Erwachsene öffnen, die gerne lernen würden. Lebenslanges Lernen wird ja ohnehin immer wichtiger.

Die so wertvolle Motivation von Lernwilligen sollte man aber auch nicht durch Über- oder Unterforderung und vergleichende Noten aufs Spiel setzen. Das ließe sich vermeiden, wenn man jeden Schüler auf seinem Lernstand in dem ihm möglichen Lerntempo mit den zu seinem Lerntyp passenden Lernmethoden und in seiner Konzentrationsfähigkeit entsprechenden Zeitabschnitten lernen ließe. Dieser Freiheit und Individualisierung des Lernens könnte man ein mit den Führerscheinprüfungen vergleichbares außerschulisches, bundeseinheitliches Prüfungssystem gegenüber stellen, damit damit Lernende, Eltern, Unternehmen oder Universitäten sehen, was jemand wirklich gelernt hat.

vertiefende Hypertexte zum Thema Lernen nach oben

Gehirn und Lernen (pdf)

Lerntext Nervensysteme

Lerntext Hirngesundheit

Lerntext Chronobiologie

buchunabhängige Lerntexte

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Roland Heynkes, CC BY-NC-SA 4.0

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